Permanente Kameraüberwachung an Autobahnen verstößt gegen das aus Art. 2 des Grundgesetzes abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Dagegen hatten auch Autofahrer geklagt, sodaß die Polizei jetzt temporäre Überwachungen durchführt, wie uns die NWZ heute berichtet.
Doch mit dem Vokabular bezüglich Persönlichkeitsrechte scheint es noch nicht 100%ig zu funktionieren.
Das schöne an Sprache ist ja immer ihr Selbstoffenbahrungscharakter.
Donnerstag ist NeWZblog-Tag!
Von Presse als der “Vierten Gewalt” zu sprechen ist aberwitzig.
1. Es würde bedeuten, daß eine gesellschaftliche Funktion ohne gesellschaftliche Kontrolle (mittelbar/unmittelbar) , aber in privater Hand existieren würde. Ich empfehle daher die Lektüre von Michael Radtkes “Außer Kontrolle – Die Medienmacht des Leo Kirch”, das schon 1995 (!) veröffentlicht wurde.
Update 18.06.2010: Außerdem das Buch “Meinungsmache – Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen” von Albrecht Müller aus dem Jahre 2009.
2. Presse ist – auch aus gutem Grund – in privatwirtschaftlicher Hand. Damit entstehen Abhängigkeiten vor allem von Werbekunden. (Wikipedia-Artikel Vierte Gewalt, Agenda-Setting)
Wenn die NWZ sich als Vierte Gewalt sieht und demokratieschützende Funktionen für sich reklamiert, dann schauen wir uns doch gerne einmal an, wer da für uns unsere Volkvertreter kontrolliert. (Die einzige Legitimation hierfür, die mir spontan einfällt, ist ein Abonnement.)
Unter der Adresse
sind Firmen aufgelistet, die mit dem NWZ-Konzern in wirtschaftlicher, rechtlicher oder geschichtlicher Verbindung stehen. Viel Spaß beim Lesen! Hinweise, Ergänzungen und Kritik sind nicht nur willkommen, sondern auch erwünscht.
– werden als Spende behandelt, gehen in das Projekt ein oder werden gemeinnützigen Vereinen zugewendet.
An die NWZ:
Ihre Kommentare entbehren jeder Rechtfertigung. Sie lassen den notwendigen Respekt für mein Abo vermissen. Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Abonnement -
mit sofortiger Wirkung.
So ähnlich würde ich jetzt am liebsten das Abo kündigen. Denn die Kommentare von Rolf Seelheim in den vergangenen Tagen lassen eines wirklich vermissen: Überparteilichkeit.
Klar, eine Meinung soll jeder haben. Die Qualität eines Zeitungskommentars bemesse ich aber an seiner Ausgewogenheit: Hat der Autor alle relevanten Fakten herangezogen? Hat er versucht, seine Meinung aus der Perspektive eines Dritten zu hinterfragen?
Könnte mir einer der mitlesenden Profi-Journalisten einen Tipp geben, was man zum Thema “Kommentar” auf der Journalistenschule lernt? Link, Buchtipp wäre super.
(Kontakt siehe Impressum oder hier “Kommentar”
schreiben)
Welche Arten von Kommentaren gibt es? Wie sollten sie strukturiert sein? usw.
Erinnert sei hier an die Podiumsdiskussion vom Juni 2009, gesendet bei Oeins. Als ein Zuschauer nahelegte, die NWZ würde einer gewissen politischen Richtung nahestehen, erhob sich NWZ-Miteigentümer Reinhard Köser (sein Coach muß gerade eine rauchen gewesen sein) und forderte Satisfaction ihn auf zu sagen, welcher Partei man nahestünde und ob er dieses beweisen könne.
Nun, der Beweis dürfte in Person von Rolf Seelheim nun erbracht sein. Auch sonst tritt dieser durch neo-konservative Einstellungen in Erscheinung, wie ich finde und wie man auf NDR Info hören durfte. (Fürs Archiv habe ich die Gesprächsrunde auf jeden Fall mal aufgezeichnet.)
Bloggen ist Vielfalt. Und daher gibt es noch weitere Blogs, die sich über die Oldenburger Medienlandschaft Gedanken machen.
An dieser Stelle ein aktueller Hinweis auf das Blog von Uwe Brandhorst, auf dem sich gerade eine interessante Geschichte zu entwickeln scheint: “Unsere Ankündigung in unserer letzten Ausgabe, dass wir etwas wissen, was andere noch nicht wissen, scheint in der Medienlandschaft unserer Region für reichlich Gesprächsstoff gesorgt zu haben.”, so der Wardenburger Blogger.
Mehr und mehr entwickelte sich dieses Blog zu einer gut informierten Seite, die weithin Anerkennung findet.
Update 15.06.2010: “NWZ-Handyscout” ist eine eingetragene Marke der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
“Ärgern Sie sich oft bei der Zeitungslektüre?”, fragte neulich die FAZ am Sonntag. Marcel Reich-Ranicki, der am vergangenen Mittwoch 90 Jahre alt wurde, beantwortete die Frage so: “Manchmal ärgere ich mich, oft ärgere ich mich nicht.” Allerdings gehören zu seinem Zeitungs-Set nur die FAZ, die “Welt” und die “Süddeutsche”. Die NWZ ist nicht dabei, sonst hätte seine Antwort wohl auch anders ausgesehen.
Während Herr Reich-Ranicki sich über die literarische Güte der Zeitung hermachen würde, muß ich einmal ein Foto kommentieren, das Deutschlands teuerster Handy-Scout, NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim, höchstpersönlich “geschossen” hat. (NWZ, 28.05.2010)

Deutschlands teuerster Handy-Scout lieferte dieses Foto: Rolf Seelheim, Chef-Redakteur der NWZ (Quelle: ebenda)
Vom technischen Standpunkt aus müßte Herr Seelheim sich selbst kündigen, denn das Foto weist erhebliche Mängel auf:

Am Rande des Pixel-Universums: ungenügender Dynamikumfang von Handykameras führt zur Kontrasteinbußen (kleines Kästchen)
Kontraste: sowohl die hellen Flächen oben in den Ecken als auch die dunklen Anzüge zeigen nur noch Spuren von Kontrasten
Tonwerte: alle abgebildeten Personen haben den ganzen Abend Karottensaft zu sich genommen, einen kräftigen Sonnenurlaub hinter sich oder die Kamera war der Aufgabe nicht gewachsen.
Ich komme daher zu dem Schluß, daß dieses Malbild Foto mit einer Handy-Kamera gemacht worden sein muß.
Freunde, ich bitte Euch! Ihr mutiert langsam aber sicher zu den größten Internetausdruckern der Welt! Erst druckt Ihr tonnenweise mein-oldenburg.de (und Derivate) aus, nun auch noch twitpic.com-Geknipse!
Bekommt der Chef-Redakteur dafür, daß er seinen eigenen Artikel und sein Foto nun in die Zeitung gesetzt hat, auch ein entsprechendes Millimeter-Honorar? Ist das ein Insichgeschäft, mit dem er sich selbst Honorar verabreicht? Mit Handyfotos?
Ist die NWZ so geizig, einem ausgebildeten Fotografen die 50 EUR zu gönnen, oder war das ein Anfall von Ad-hoc-Journalismus? Traf Herrn Seelheim die Situation unvorbereitet und fürchtete er den Wettbewerb, dem die abgebildeten Personen tatsächlich in die Kamera schauten? Fragen über Fragen…
So eine ungenügende Fotoqualität hat Rolf Trauernicht nicht verdient! Der Mann hat wenigstens noch Visionen: EuroRapid!
Die Überschrift (“Plädoyer für Transrapid endlich auch in Deutschland”) ist alt, abgegriffen und sehr, sehr weit hergeholt – aus Bayern nämlich. Dort hatte Edmund Stoiber das einzig wahre Plädoyer für den Transrapid gehalten.
Natürlich verliert auch dieser Artikel bei 218 Wörtern kein kritisches Wort darüber, warum der Transrapid sich bisher nicht in Deutschland und der Welt nicht durchgesetzt hat. Dieser Information fällt hier unter den Tisch genauso wie in den anderen 181 Artikeln in den vergangenen 20 Monaten. (durchschnittlich 9 Erwähnungen/Monat)
Hier ein Abriss:
Ich habe für Analysezwecke einmal auf nwzonline.de nach ‘Transrapid’ gesucht. Das sollte man ruhig mal tun, um einmal zu sehen, wie die NWZ so über die Zeit darüber berichtet.
Wärmstens empfehlen möchte ich dazu mal den Wikipedia-Artikel zum Transrapid: http://de.wikipedia.org/wiki/Transrapid
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“Die Wahrheit ist relativ. Suchen Sie sich eine aus.”
(Sebastian Stark, Staatsanwalt in der US-Krimiserie “Shark”)
Ulrich Gathmann (Foto) ist seit 2001 Geschäftsführer der Nordwest-Zeitung. Am 10. Juni 2009 nahm er in dieser Funktion an der Podiumsdiskussion “Bürgermedien und kommerzieller lokaler Rundfunk” teil, zu der die SPD-Ratsfraktion in Oldenburg eingeladen hatte und welche vom Lokalsender Oeins übertragen wurde. Hintergrund sind Änderungen des Niedersächsischen Mediengesetzes und der dann mögliche Start von NWZ-TV, dem Fernsehangebot der Nordwest-Zeitung.
Ich denke, daß ein neuer, privater lokaler Fernsehsender an sich kein Problem für die hiesige Medienlandschaft darstellt, abgesehen davon, daß ein Mehr an Fernsehen nicht zwangsläufig klüger macht. Die allgemeine Unruhe, die man in der Podiumsdiskussion, aber auch speziell beim NWZ-Eigner Reinhard Köser und anderen Teilnehmern wahrnehmen konnte, entsteht meiner Meinung nach daraus, wer diesen Sender veranstalten wird. Stellen wir uns nur einmal die umgekehrte Situation vor: Neben einem etablierten NWZ-TV würde man planen, einen weiteren lokalen Rundfunksender, Oeins, zu errichten. Ein Stich ins NWZWespen-Nest! Großalarm in der Peterstraße! Und wie man dort mit Konkurrenz umgeht, wissen die Oldenburger Allgemeine, die Posaune und vor allem der Hunte-Report nur zu genau.
Ich finde, in dieser Sendung sieht man deutlich, wie Herr Gathmann sich die Dinge gerade so zurecht legt, wie es ihm gefällt. Die folgenden Beispiele habe ich dazu einmal aufgeschrieben und kommentiert. Rückblickend betrachtet war diese Podiumsdiskussion auch die Geburtsstunde von medienfloh.de als Meta-Medium – und damit auch vom www.newzblog.de, der ab dem 23. Mai diese Aufgabe übernimmt.
Es geht hier auch um den Erhalt der Tageszeitungen. Das wird oft vergessen in dieser ganzen Diskussion: Die “mächtige” lokale Tageszeitung. (…) Wir haben ständig Fusionen in Deutschland, wo Tageszeitungen in Not kommen, die mächtige Tageszeitung auf einmal feststellt: sie hat kein Geld mehr, sie muß fusionieren oder sie muß sich aufkaufen lassen. Wir brauchen eine Entfaltungsmöglichkeit in den neuen Medien. Das ist für die weitere Entwicklung unserer Häuser entscheidend. (…) Aber ich seh das hat auch eine gesellschaftliche Relevanz. Zeitungen, Tageszeitungen haben eine irrsinnige gesellschaftliche Relevanz. Und es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, sicherzustellen, daß Zeitungen die Chance haben, weiter sich zu entfalten und weiter auch ihr Geschäft zu betreiben. Und es darf nicht Aufgabe der Politik sein, Zeitungen auf das Printgeschäft festzunageln und zuzusehen, wie diese langsam immer weiter ausbluten immer weiter immer weniger werden. Insofern rede ich einer Liberalisierung das Wort. Ich mache mich stark für den Erhalt den Fortbestand des Bürgerrundfunks, aber ich rede hier auch ganz klar von einer gesellschaftlichen Aufgabe, die hier da heißt: Laßt die Zeitungen stark bleiben, guckt euch an was in Amerika passiert, wo das alles den Bach runter geht da, wo die Leute überhaupt nicht mehr informiert sind, wo keiner mehr eine Ahnung hat, was überhaupt los ist in der Welt. Das hängt damit zusammen, daß keiner mehr Zeitung ließt. Dazu darf es in Deutschland nicht kommen. Und da meine ich, da brauchen wir auch die Chance, Fernsehen zu machen.
(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)
Erkennen Sie den Manipulationsversuch von Herrn Gathmann? Seine Redetechnik nennt sich Schwarzweißmalerei und funktioniert nach dem Muster: “Entweder A oder B & nicht A, also B”. Er möchte damit den Eindruck einer logischen Argumentation erwecken, die es aber nicht ist. Abgesehen davon, daß hier unterschwellig offener Anti-Amerikanismus mitschwingt, behauptet er freimütig, die Märkte in Deutschland und den USA seien vergleichbar. Sie sind es nicht! Und mit höchster Ironie hat dieses der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, deren Mitglied die NWZ ist, in einer Studie festgestellt: “Die Entwicklung am deutschen Zeitungsmarkt ist in keiner Weise vergleichbar mit der schwierigen Situation der US-amerikanischen Zeitungen.” (BDZV-Meldung vom 10. Mai 2010)
Bei so viel Unkenntnis über den amerikanischen Zeitungsmarkt wäre er womöglich ebenso verloren in der Neuen Welt wie einst Mozart in Amerika (Die Mozart-Lüge). Und irgendwie erinnert mich das Schema auch an die Drohkulisse mit den Massenvernichtungswaffen im Irak, die man bis heute aber nicht gefunden hat. Immerhin DIE Rechtfertigung für den Angriffskrieg!
Hierzu möchte ich an diejenigen Geldinstitute erinnern, die sich landauf landab als “systemrelevant”, als “too big to fail” deklarierten. Im Prinzip ist alles systemrelevant was uns umgibt. Denn: Steht ein Subsystem nicht mehr im Austausch mit anderen Subsystemen, so gilt es als abgetrennt und verödet. Die Existenz dessen, was uns umgibt, beinhaltet also schon einen Beweis für die Systemrelevanz in sich. Welcher Körperteil von uns dürfte hier nicht von sich behaupten, er sei systemrelevant? (Diskriminieren Sie jetzt nicht den Blinddarm, der hat eine mächtige Lobby!!!)
“Wenn es Unternehmen gibt, die so groß sind, dass man sie nicht pleite gehen lassen darf, dann ist das ein grundsätzlicher Fremdkörper in der Marktwirtschaft.”
(Dr. Harald Schumann, Autor und Journalist)
Wer also gesellschaftliche und Systemrelevanz für sich reklamiert, der will von Wettbewerb nichts wissen und unterwirft sich gedanklich der Vergemeinschaftung und gesellschaftlichen Kontrolle. Das kann nicht im Sinne eines Zeitungsverlages sein. Wer aber gleichzeitig Liberalisierung in bester neoliberalistischer Manier fordert und dann noch die Politik für die “gesellschaftlichen Aufgaben” in die Pflicht nimmt, widerspricht der sich nicht schon selbst? Immerhin hatte der Gesetzgeber sich seinerzeit etwas dabei gedacht, Presse und Rundfunk zu trennen. Aber darüber spricht ja heute keiner mehr.
Und sogar auf dem Feld des Wettbewerbs akzeptiert die NWZ die Spielregeln nicht, wie ein schweres Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen das “Wirtschaftsgrundgesetz” (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) durchblicken läßt:
“Gegen die Nordwest-Mediengruppe verhängte das Bundeskartellamt wegen Verstoßes gegen das Vollzugsverbot eine Geldbuße i. H. v. 2,5 Mio. Euro und i. H. v. 200 000 Euro gegen den ehemaligen Verleger der „Nordwest- Zeitung“ und den Geschäftsführer.”
(Quelle: Bericht des Bundeskartellamtes an den Deutschen Bundestag über seine Tätigkeit in den Jahren 2007/2008)
Ich finde, einerseits von sich als gesellschaftlich “irrsinnig relevant” zu sprechen, die Politik zu Gesetzesänderungen zu drängen, die die Meinungsvielfalt beschneiden, und andererseits freien Wettbewerb zu fordern, dessen Spielregeln nicht einmal eingehalten werden, das ist in meinen Augen ein so widersprüchliches Verhalten, das ich mir a) nur mit bewußter Täuschung oder b) mit kognitiver Dissonanz erklären kann. Ich behaupte hier nichts, außer daß ich hier vor einem Rätsel stehe.
Apropos Wettbewerb: Das Bild, das Herr Gathmann auch hier zeichnet (“ständig Fusionen in Deutschland”!), kann nicht ganz stimmen.
Jahr für Jahr haben die Eigentümer des Nordkuriers, drei Unternehmerfamilien aus dem Westen, mehr als drei Millionen Euro verdient, in dieser strukturschwachen Region. Die Manager eines Weltkonzerns wie Volkswagen würden fünf Prozent Gewinn feiern. Doch die Besitzer von Regionalzeitungen sind mehr gewohnt. Ihr Monopol hat den meisten Verlegern jahrelang Renditen von wenigstens zehn Prozent eingebracht.
Zeit-Online, “Deutschland entblättert” vom 30.11.2009
Es mag ja sein, daß es Verlage gibt, die ihren Betrieb aufgeben müssen, z.B. weil sie vom Wettbewerb be- und verdrängt wurden. Aber was hat das mit der NWZ zu tun? Der Manipulator Gathmann bedient sich hier der sog. Darstellungsfalle, indem er die Marktsituation nur für sich günstig darstellt. (Das Glas ist halb leer.) Wie der Zeit-Artikel zeigt, ist diese Darstellung aber nicht ganz richtig. (Das Glas ist halb voll.)
Einen Kracher hat Herr Gathmann dann hier:
Zeitungen tragen einen ganz großen Teil zur politischen Bewußtseinsbildung der Bevölkerung bei.
(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)
Erstaunlich und fast sogar erschreckend ist vor allem, daß Herr Gathmann offen und ohne Scham von “Bewußtseinsbildung” anstatt von Meinungsbildung spricht. Ist egal? Nein, der Unterschied ist enorm!
Bewußtsein schließt nicht alle Handlungsalternativen ein. Um sich aber eine Meinung bilden zu können, müssen Sie alle Alternativen kennen. Fragen Sie sich selbst einmal bei der nächsten Zeitungslektüre, was Ihnen nicht berichtet wird. Nehmen Sie dabei Ihre eigene Lebenserfahrung zur Hilfe. Was sagt Ihr Bauchgefühl? Was sagen die Menschen, die Sie persönlich kennen? Wie verstehen Sie die Abbildung ganz oben im Kopf dieser Webseite im Kontext von Herrn Gathmanns “Bewußtseinsbildung”?
Man hat Ihnen berichtet, wie Irak im Sommer 1990 Kuwait überfallen hat. Erinnern Sie sich an die Krankenschwester, die von irakischen Soldaten berichtete, und dass diese Soldaten in kuwaitischen Krankenhäusern Säuglinge aus Brutkästen gerissen hätten? Nicht berichtet wurde hingegen, daß diese “Zeugin” Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA war. Dieser Fall ging als sog. Brutkastenlüge in die Geschichte ein, und der anschließende Zweite Golfkrieg kostete mehreren Tausend Menschen das Leben.
Gut, die Medien, auch in Deutschland, haben “nur” die Fakten und Hintergründe nicht recherchiert, die man ihnen geboten hat. Aber am Prinzip, durch Weglassen von Informationen Dritte zu einer bestimmten Handlung zu bringen, ändert das nichts.
Wissen Sie, welche Bodenschätze Somalia hat? Nein? Ach, berichtet niemand?! So, so! Hier mal eine Meldung aus 2008.
(Wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie ja mal das NWZ-Archiv ab dem 10. Oktober 1990 bzgl. der Brutkastenlüge durchstöbern. Gerade da, wo Qualitätsjournalismus seine demokratiesichernde Funktion hätte ausüben können, sich hätte legitimieren können, da hat er versagt.)
Die Bildsprache der NWZ während der drei, dann vier in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten passt dabei bestens ins Bild. Ok, das Militär ist ja ziemlich knauserig, was Bildmaterial von der Front angeht, und embedded journalists hat die NWZ nunmal nicht, aber das heißt nicht, daß man sich zum Werkzeug des Militärs machen darf und nur Schön-Wetter-Bilder vom Verteidigungsminister in Pose drucken soll!
(Ankündigung: Mein nächster Blog-Eintrag handelt von der “Kriegs-Kommunikation der NWZ”)
Das Internet ist dieses Medium wo man alles was man finden will auch findet. Wenn man etwas sucht, dann geht man im Internet auf ‘Suche’ und findet da was. Was das Internet aber nicht leisten kann ist, ein kontinuierliches Bild abzugeben der Entwicklung. Das Internet kann keine Orientierung bieten. Das Internet kann nicht helfen, bestimmte Sachverhalte einzuordnen. Das können nur Zeitungen.
(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)
Sprach Herr Gathmann von NWZonline, als er meinte, das Internet könne keine Orientierung bieten?
Also, die NWZ hat für mich noch nie bestimmte Sachverhalte eingeordnet. Kann eine Tageszeitung, bei der ein Artikel nach Abzug von Werbung, überdimensionalen Fotos und sog. “Infoblöcken” nicht über eine DIN A5-Seite kommt, überhaupt etwas in einen nennenswerten Zusammenhang einordnen?
Herr Gathmann macht hier nichts geringeres, als der Bibel ihre universale Rolle streitig zu machen. Der kleine Mönch in Brechts “Leben des Galilei” würde in dem Fall sagen: “Wozu ist die Heilige Schrift noch gut, die alles erklärt und als notwendig begründet hat, den Schweiß, die Geduld, den Hunger, die Unterwerfung, und die jetzt voll von Irrtümern befunden wird?” (Ersetzen Sie mal spaßeshalber ‘Heilige Schrift’ durch ‘Zeitung’! Na? Dämmert´s?)
Es wird wohl immer eine Behauptung bleiben, NWZ-Redakteure würden das Büro ihres Chefredakteurs Rolf Seelheim hinter vorgehaltener Hand als “Rolfschanze” bezeichnen, um damit einen gewissen Führungsstil zu beschreiben oder einfach ihren Frust zu kompensieren.
Eine Zeitung, die das zumindest für einen Moment behauptet hatte, war die taz im Artikel “In 11 Schritten zum Meinungsmonopol“. Nur merkwürdigerweise verschwand diese Bezeichnung kurze Zeit später wieder aus dem Netz.
Wie uwe-brandhorst.de nahelegt, war da eine juristische Auseinandersetzung in Anmarsch mit der Forderung, die Behauptung “Chefbüro=Rolfschanze” solle als Tatsachenbehauptung bewiesen werden. Das hätte natürlich den NWZ-Mitarbeiter auffliegen lassen, der als Informant fungiert haben soll. (Wenn es denn überhaupt einen solchen gab…)
(Exkurs: Stellen Sie sich mal vor, die taz hätte irgendeinen armen Voluntär benannt! Was gilt heutzutage noch die Unschuldsvermutung? Wo Rauch ist, ist nämlich auch Feuer…)
Die Frage für die taz war also: Presserecht wahrnehmen oder Informanten schützen.
Der (Leih-?)Arbeitnehmer der NWZ hätte wohl seinen Job an den Nagel hängen können, und daran sieht man, daß im Zweifel Verträge und ähnliches nichts nützen, sondern nur das persönliche Wort, das dann auch eingehalten wird.
Filme zum Thema:
Herr Gathman ist Geschäftsführer, und als solcher vertritt er die NWZ gerichtlich und außergerichtlich, wenn im Handelsregister jetzt nichts ungewöhnliches steht. Insofern hat der Kaufmann im Medienbetrieb seine Dünnhäutigkeit einmal mehr unter Beweis gestellt. Der Pressefreiheit hat er jedenfalls einen Bärendienst erwiesen.
Die folgenden zwei Punkte gehen zwar nicht auf das Konto von Herrn Gathmann, dürften ihm in der Art aber nicht ganz unbekannt sein, wie ich hier schon berichten konnte.
Es steht nicht gut um die Meinungsfreiheit in Deutschland. Schwierigkeiten, in den “vermachteten lokalen Medienmarkt” einzusteigen, haben gerade in Oldenburg einige Unternehmen erlebt. Manche sind gescheitert. Die Wettbewerbsintensität bleibt suboptimal, d.h. zu Lasten der Verbraucher.
Auch Blogger sehen sich einer zunehmenden Verlagsmacht gegenüber gestellt. Für Blogger, die auf sich selbst gestellt ihre Meinung zum aktuellen Geschehen und den verschiedensten Themen veröffentlichen, werden die Verlage gerade mit ihrem geplanten “Leistungsschutzrecht” zu einer akuten Bedrohung. Verlage sind hoch organisiert, nicht nur regional, sondern ausgestattet mit Lobbyistenschnittchen bearbeiten sie Volksvertreter auf Länder-, Bundes- und Europaebene.
Für den einzelnen Blogger ergibt sich damit eine enorme “asymmetrische Bedrohungslage” durch die milliardenschwere Verlagsindustrie, welche nicht nur ihn, sondern auch die ganze westliche demokratische Meinungskultur untergräbt. Wenn der Trend anhält – und jetzt male ich schwarz-weiß – dann werden wir bald Zustände wie in der Stasi-DDR oder im Gestapo-Deutschland haben, wo man höchstens im Keller seine Meinung frei äußern konnte. Das kann doch niemand wollen!
Es ist an der Zeit, zum offenen Kampf überzugehen. Eigentlich sollte dazu der nwzwatchblog.de starten, aber irgendwie, so kam mir zu Ohren, verursacht der Name doch zu viel “Bauchschmerzen” in NWZ-Etagen. Hallo?! Das mit den “Bauchschmerzen” ist doch der Sinn eines Watchblogs! Es ist ja auch ein Meinungsergänzungs- und kein Schmerzmittel! “Bauchschmerzen” habe ich jetzt jedenfalls übersetzt mit: Lass es, oder du fängst dir eine Abmahnung oder gleich eine Klage ein, und die Kosten trägst du! Da ich den Blog hier aber als Hobby betreibe und keine Zeit mit einem am Ende für mich siegreichen Prozess verlieren will, habe ich den Hinweis als Ansporn genommen und noch einen schöneren Namen gefunden, wie ich jetzt finde.
Daher wird´s jetzt ein wenig englischer und szenetypischer im warez-style mit newz und stylz:
Am 23. Mai startet newzblog.de – Watchblog für Medien in Nordwest-Niedersachsen!
Buchtipps für Gesprächsvorbereitung mit Herrn Gathmann:
DVD der Podiumsdiskussion “Zwischen Kommerz und Kommunikation – Bürgermedien und kommerzieller lokaler Rundfunk” vom 10.6.2009 erhältlich bei Oeins.
– werden als Spende behandelt, gehen in das Projekt ein oder werden gemeinnützigen Vereinen zugewendet.
Ich beherrsche fünf Sprachen fließend, dazu noch meine Muttersprache. Ich habe auf dem Gymnasium zwei Klassen übersprungen und habe Vertretung für erkrankte Lehrkräfte gemacht. Ein Studium fand ich zu langweilig, darum habe ich gleich BWL, VWL, Philosophie und Psychologie parallel studiert. Zu Medizin konnte man mich nicht überreden, da mir das zu langweilig war. Ich laufe morgens im Park, wenn meine Altersgenossen ausgelaugt aus der Disko kommen, damit ich um halb sieben in der Agentur sein kann, wo wir dann die ersten Fotoshootings machen. Ich sehe natürlich blendend aus, und auch ich meine, daß ich hübsch und ausgesprochen sexy aussehe. Das liegt auch an meiner perfekt auf mich abgestimmten Ernährung, die ich ganz bewußt Tag für Tag genieße. Wenn nicht gerade Mitarbeiter meinen Rat suchen, bekomme ich Anrufe von Kunden, meistens Vorstandsleute, mit denen ich geschickt verhandele. Nachmittags bereite ich bei einem Latte Macchiato ein Lernprogramm für die Gruppe behinderter Kinder vor, die ich ehrenamtlich unterrichte. Anschließend acht Kilometer Schwimmen, Total Body Workout, Klavier vorspielen beim Orchester, und vorm Schlafen gehen noch das Ölbild zuende malen.
Wollen Sie mich engagieren?
Zugegeben, der Text ist jetzt etwas übertrieben, aber wer erwartet denn schon, daß ich realistisch über mich schreibe? Realität hat jeder zuhause, unterwegs im täglich drögen Berufsverkehr im Bus, im Auto auf der Straße, im Winter bei Neonlicht usw. Realität ist Durchschnitt.
Wir aber wollen das außergewöhnliche!
Das bekommen wir denn so auch von der hiesigen Lokalzeitung versprochen. Die Nordwest-Zeitung berichtete am 10. Februar 2010 nicht ganz ohne Stolz, daß ihr Internetableger NWZonline im Januar zuvor “über eine Million Besucher” zu verzeichnen hatte. Auch die Zuwachsraten (+28,2 Prozent gegenüber dem Vormat) sind verheißungsvoll.
Angereichert wird die NWZ-Statistik dann noch mit Vergleichszahlen der Onlineableger anderer Zeitungsverlage. Warum die Verleger mal wieder ihr eigenes Süppchen kochen? Immerhin wird die NWZ-visitzahl umrahmt von Werbeträgern wie Maedchen.de, essen-und-trinken.de und hiphop.de, die jeweils auch ca. 1,1 Mio. Visits zählen ( http://ausweisung.ivw-online.de/ ). Ist diese Peergroup unter Niveau?
Fakt ist auch, daß der Dezember aufgrund der Feiertagsdelle allgemein für schwache Besuchszahlen sorgte. So konnte ich mit diesem Blog im Januar ebenfalls starken Zuwachs verzeichnen: +19,2 Prozent im Januar 2010 gegenüber dem Vormonat. Und? Hören Sie die Sektkorken knallen? Nein, denn auf so niedrigem Niveau sind solche Streuungen keine Besonderheit. Wenn Spiegel-Online mit 123 Mio. Visits auf +28 Prozent käme, dann würde ich mir als Systemadministrator des Webservers Sorgen machen, aber bei 1,1 Mio…
Interessant ist auch der Substitutionsprozess, in dem wir uns gerade befinden. Inhalt bleibt Inhalt, das “Medium” unterliegt dem technischen Wandel.
Denn der Trend bei den NWZonline-Visits geht klar nach oben.
Was sind Visits und wie werden diese gezählt?
Wenn Sie diese Internetseite aufgerufen haben, hat mein Webserver Ihnen zahlreiche Dateien geschickt: HTML für die Seitenbeschreibung, CSS für das Seitenlayout und jede Menge Bilder. Jeder Dateitransfer vom Server an Ihren Internetbrowser wird als hit gezählt, was werbetechnisch unbedeutend ist. Daher werden alle hits zum Ausliefern einer Seite zu pageimpressions (PI) zusammengefaßt. So wie Sie sich hier durch die Kategorien, Tags, Seiten klicken, erzeugen Sie auch ebensoviele PIs.
Wenn ich in die Seite eine Werbegrafik einbaue, so zählt man das Aufrufen der Grafik als ad impression, was multipliziert mit dem TKP den Erlös für das Medienunternehmen und Ihre Kosten als Werbetreibender darstellt. Mit Bildergalerien könnte ich diesen Wert nach oben treiben. Und so kosten dann auch 30.000 ad impressions 900,00 EUR zzgl. MwSt. (Quelle: http://www.nwzonline.de/nwz/module/wirueberuns/downloads/Mediadatenonline.pdf Achtung: 14 MB!) 30.000 PIs sind für jeden halbwegs vernünftigen Weblog realistisch.
Aufgrund der Tatsache, daß Zeitungsverlage Bildergalerien mit hunderten von Fotos zu einem einzigen Ereignis einstellten, somit die ad impressions nach oben trieben (“Besonderer Anziehungspunkt auf NWZonline sind die Bildergalerien.”, Originalzitat NWZ), ging der Schwerpunkt der Betrachtung von den PIs über zu den visits (Link). Hierbei werden zusammenhängende pageimpressions zu einem visit zusammengefaßt.
Die Kunst liegt nun darin, einen einzelnen visit genau abzugrenzen. Dazu bedient man sich grob zweier Techniken: die Cookies, also kleine, lokal abgespeicherte Textdateien, mit der der einzelne Besucher wieder identifiziert werden kann und das ident-Verfahren, das mittels der Kombination aus IP-Adresse, Forwardedfor, Agent (Browser) und Betriebssystem auf einen vorherigen Besucher zu schließen versucht.
Definiert ist ein visit weiter wie folgt:
Ein Visit bezeichnet einen zusammenhängenden Nutzungsvorgang. Ein Visit beginnt, wenn ein Nutzer innerhalb eines Angebotes eine PageImpression erzeugt. Jede weitere PageImpression, die der Nutzer im folgenden innerhalb des Angebotes erzeugt, wird diesem Visit zugeordnet. Der Visit wird als beendet angesehen, wenn länger als 30 Minuten keine PageImpression durch den Nutzer erzeugt worden ist. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt innerhalb von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird kein neuer Visit gezählt. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt nach Ablauf einer Frist von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird ein neuer Visit gezählt. (Quelle: www.ivw.de)
Um eine gewisse Neutralität und Unabhängigkeit zu gewährleisten, übernimmt dieses Verfahren nicht das Medienunternehmen selbst, sondern z.B. die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., kurz IVW. Dazu bauen die Medienunternehmen auf ihrer Webseite eine Grafik der IVW ein, die 1×1 Pixel groß ist. Hiermit kann die IVW den Zugriff registrieren. Bei besonders stark frequentierten Webseiten kommt eine Hardwarelösung vor Ort beim Medienunternehmen zum Einsatz.
Kritisch muß auch die Frage des Datenschutzes gestellt werden, da IP-Adressen als personenbezogene Daten gelten. Aufgrund der IP-Adresse ist es möglich, den Anschlußinhaber zu ermitteln.
Da Medienunternehmen mitunter mehrere Internetangebote betreiben, ist es den ivw-Teilnehmern gestattet, eine Local-Liste anzulegen, auf der alle Angebote registriert sind, die in die Zählung mit einfließen sollen. Die NWZ-Local-Liste zum Genießen per 10.02.2010 (Quelle: www.ivw.de):
*nwzonline.de* *nwz-online.de* *nwz.nordwest-marktplatz.de* *nwztv.nordwest-zeitung.de* *nwz-online.immowelt.de* *asp09.photoprintit.de/microsite/12073/* *nwz.stellenanzeigen.de* *nwztrauer.de* *nwz.trauer.de* *nordwest-ticket-server.de* *bauherrencheckliste.de* *eurotrainer.de/nwz* *moneyspecial.de/298* *fondscontainer.vwd.de/nordwestzeitung* *reifezeit.net* *oldenburger-familienfest.de* *nwz-azubis.de* *bltrainer.de/nwz* *stadtfest-oldenburg.de* *nwz.leserauktion.de* *nwz.ivwbox.de* *admin.brightcove.com/[[IMPORT]]/www.nwzonline.de/tv/ivw_analytics_v1.swf* *mein-edewecht.de* *mein-nordenham.de* *mein-rastede.de* *mein-wildeshausen.de* *nwz.fanshopper.de* *bl-trainer.de/nwz* *snoa.de* *mein-oldenburg.de* *btw1.de* *btw2.de* *btw3.de* *btw4.de* *btw5.de* *btw6.de* *nwz.immowelt.de* *oldenburg.2ndarea.com* *http://admin.brightcove.com/[[IMPORT]]/video.oms.eu/projekt/download/ivw_analytics_v1.swf* *partner.hanseatreisen.de/nwz* *studivz.net/oldenburg* *meinvz.net/oldenburg* *traueranzeigen.nwzonline.de*
Nicht nur, daß mit den unterschiedlichsten Angeboten der Eindruck erweckt würde, alle 1,1 Mio. Besuche galten dem NWZonline-Angebot! Auffallend war hier der Eintrag “studivz.net/oldenburg”, der meines Erachtens nach irreführend ist.
Verschärfend kommt hinzu, daß hier mit dem Wappen der Stadt Oldenburg in besonderer Weise der offizielle Eindruck gefördert werden soll. Es ist ja schön, daß jemand die Stadt Oldenburg im StudiVZ-Portal vertritt und bekannter macht, aber bitte bedenken wir: es handelt sich um ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht.
Forderung soll es nicht sein, die Adresse “irgendwasVZ.net/oldenburg” herauszugeben (vgl. twitter.com/mannheim). Ich persönlich könnte aber besser schlafen, wenn das Stadtwappen entfernt würde und auch sonst der Eindruck einer offiziellen Bürgervertretung vermieden würde.
Nachtrag 15. Februar:
Wen es interessiert, wie bei StudiVZ so eine Zählung aussieht, kann ja mal auf http://studivz.net/oldenburg gehen und im Browser unter ‘Ansicht’ -> ‘Quelltext anzeigen’ (o.ä.) sich den Code ansehen. Darin dann nach ‘ivw’ suchen. Die Math.random()-Funktion dient vermutlich dazu, daß der Browser bei einem neuen Seitenabruf auch eine neue IVW-Grafik zieht und nicht die alte aus dem Cache holt.
Hinweis 15. Februar: Kommentar von Daniel Schütte von NWZOnline siehe unter Kommentare Nr. 8.
(Erschienen am 10. Februar 2010 auf medienfloh.de)
– werden als Spende behandelt, gehen in das Projekt ein oder werden gemeinnützigen Vereinen zugewendet.
Anmerkungen
Um das zu verstehen, was medienökonomisch in Nordwest-Niedersachsen seit geraumer Zeit vor sich geht, müssen Sie mindestens vier Jahre Volks- oder Betriebswirtschaftslehre studiert haben. Kenntnisse des Rechts wären ebenso von Vorteil wie auch medientheoretisches Wissen.
Seit Mittwoch (17.2.2010) ist die Entscheidung bekannt, daß das Bundeskartellamt dem Antrag der Nordwest-Medien GmbH & Co. KG stattgegeben hat, die Promotion Verlagsges. mbH (“HunteReport”) zu übernehmen. Hier nach vier Tagen schon einen Kommentar zu einer Entscheidung einer Bundesoberbehörde zu veröffentlichen wäre nicht nur vermessen, sondern auch blogosphärischer Ausschlußgrund. Daher nur ein paar Anmerkungen.
Zunächst einmal kaufen Sie sich aus dem dtv-Verlag das Buch “Wettbewerbs- und Kartellrecht”. Wenn Sie darin das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) aufgeschlagen haben, dann schauen Sie doch mal in den § 35 (2) Satz 2 GWB. Nicht zu vergessen auch § 38 (3) GWB, der speziell für Pressefusionen gilt. Anschließend haben Sie eine Ahnung, warum das Bundeskartellamt überhaupt gefragt werden musste. Daneben gibt es auch sog. Kommentare zu den Gesetzen, die Ihnen zum Verständnis helfen.
Das GWB ist laut Hefermehl das “Grundgesetz der deutschen Wirtschaft”, da es zum Ziel hat, den Bestand des Wettbewerbs zu gewährleisten, um eine freiheitliche Ordnung der sozialen Beziehungen aller Marktbeteiligten herzustellen (Hefermehl). Ich lasse das jetzt mal so stehen.
Wenn Sie die Gesetzestexte gelesen haben, dann wissen Sie das Was, aber das Warum muß sich Ihnen noch erschließen.
Dazu lesen Sie bitte das Sondergutachten 42 der Monopolkommission zur Pressefusionskontrolle in der Siebten GWB-Novelle von 2004. Das gibt es auch online.
Das ist insofern wichtig, als daß es einen schnellen und guten Überblick über die Materie verschafft. Den brauchen Sie auch, um die Sondergutachten 36 und 38 besser verdauen zu können: Der Holtzbrinck-Verlag wollte den Berliner Verlag kaufen, was Ende 2002 aber untersagt wurde. Da half auch kein Antrag auf Ministererlaubnis, welcher nach § 42 GWB möglich ist. Aber das wußten Sie ja bereits.
Warum die beiden Sondergutachten zum Holtzbrinck-Antrag ein Drehbuch für Nordwest sind, sehen wir später noch. Lesen Sie sie! (Ausgedruckt auch beim NOMOS-Verlag erhältlich)
Leider hat das Bundeskartellamt sich nicht überwinden können, einen sog. Fallbericht zu dem aktuellen Fall Nordwest-Medien / “Hunte Report” zu schreiben. Hilfsweise sei hier nur auf einen ähnlichen Fall vom Sommer letzten Jahres verwiesen: Familienunternehmen (Rhein-Neckar-Zeitung) kauft wirtschaftlich angeschlagenes Zeitungsblatt (Wilhelm Krath GmbH, “Eberbacher Zeitung”). Das heißt dann “Sanierungsfusion”.
Aber der Fall ist nur “ähnlich”. Und zwar deshalb, weil es nach Auffassung des Blogautors doch Unterschiede gibt, die es zu erwähnen gilt:
Insofern wäre ein Fallbericht wünschenswert gewesen. Da das Bundeskartellamt eine Bundesbehörde ist, gilt hier selbstverständlich das Informationsfreiheitsgesetzt, auf dessen Grundlage jeder Bürger prinzipiell Einsicht in das Aktenzeichen B6-16/10 (Nordwest-Medien / “Hunte Report”) nehmen kann. Der Erkenntnisgewinn sei mal dahin gestellt, aber eine gewisse Ironie hat es, dass das Gesetz die Arbeit von Journalisten vereinfacht, insbesondere auch von den Journalisten, die in den betreffenden Oldenburger Redaktionen arbeiten.
Jetzt wäre es an der Zeit, den Tätigkeitsbericht 2007/2008 des Bundeskartellamtes zu lesen, zumindest den Abschnitt auf Seite 70 links unten. Dort erfahren Sie von den “Ordnungswidrigkeiten” der Nordwest-Mediengruppe Ende der neunziger Jahre, also den über ein Dutzend nicht angemeldeten Unternehmenskäufen, welche allesamt mit “Entflechtung” (u.a. vom “HunteReport”) und Bußgeldern geahndet wurden.
Abenteuerlich zu lesen: “Der Erwerb der Beteiligungen erfolgte dabei häufig über zwischengeschaltete Unternehmen bzw. Treuhänder, um eine Verbindung zur Nordwest-Mediengruppe nach außen hin nicht transparent werden zu lassen.” Bedenken Sie bitte, daß der Tätigkeitsbericht dem Bundestag und somit jedem Abgeordneten vorgelegt wird. Und nur die Tatsache, daß es sich um Ordnungswidrigkeiten handelt, und das deutsche Rechtssystem die conspiracy nur bedingt kennt, bewahrt die Akteure vor drastischeren Maßnahmen.
“Informierten Kreisen zufolge” (Daß ich DAS jemals schreiben würde!) hatte man seinerzeit den Hunte Report im Rahmen der Entflechtung einer Stiftung unterstellt. Da drängt sich der Vergleich zum o.g. Holtzbrinck-Fall geradezu auf:
Holtzbrinck schlägt vor, über eine Stiftungslösung die Sicherung der personellen und finanziellen Unabhängigkeit der Redaktion des Tagesspiegels zu gewährleisten. Dazu soll die Redaktion des Tagesspiegels auf eine Gesellschaft übertragen werden, an der neben Holtzbrinck eine noch zu schaffende Stiftung „Der Tagesspiegel“ beteiligt werden soll. Die Stiftung soll über ein Kuratorium aus 13 Mitgliedern verfügen, das sich aus Vertretern von Politik, Verbänden, TV-Sendern und politischen Wochenzeitschriften bzw. Magazinen zusammensetzt. Durch verschiedene Veto- und Sonderrechte der Stiftung soll sichergestellt werden, dass verschiedene Vorgaben im Hinblick auf Umfang und Qualität des Tagesspiegels eingehalten werden sowie seine Finanzierung gesichert ist. Bei Verstößen sind verschiedene Sanktionen vorgesehen. Die Stiftung kann Holtzbrinck aus der Tagesspiegel- Redaktionsgemeinschaft ausschließen und damit den Tagesspiegel allein beherrschen. In diesem Fall könnte die Stiftung den Tagesspiegel veräußern. Sollte die Veräußerung an Dritte fehlschlagen, müsste der Tagesspiegel eingestellt werden.
Quelle: Sondergutachten der Monopolkommission, “Zusammenschlussvorhaben der Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG mit der Berliner Verlag GmbH & Co. KG” 2003
Wie genau die HunteReport-Stifung aussah, war online nicht in Erfahrung zu bringen, vielleicht hilft da das Studium über Stiftungen allgemein(?!)
(Update 22. Februar: Aufgrund eines Leserkommentars hier ein Artikel zur “HunteReport-Stiftung”.)
Zeitlich würde es zumindest passen, daß der Fall Holtzbrinck Leitbildfunktion für die Branche gehabt hat. Wenn dem so ist, dann haben die Manager und Berater der Nordwest-Mediengruppe das meisterhafte Kunststück vollbracht, die Holtzbrinck-Konzepte beispielhaft auf die lokale Ebene herunterzubrechen. Vom technischen Standpunkt her gebührt dieser Leistung hoher Respekt.
Es bleibt aber zu fragen, ob und wie die relevanten Akteuere bei der zunehmenden “Vermachtung des Marktes” (Hefermehl) mit Ihrer wiedergewonnenen Macht verantwortungsbewußt umzugehen wissen und dieses dann auch tun. Die vierte Gewalt im Staat muß sich gerade jetzt ihrer vorherrschenden Meinungsmacht bewußt sein und sich der Worte Ihres Gründers Fritz Bock erinnern: “Die erste Zeitung Nordwestdeutschlands möge der Grundstein zu einer geachteten, demokratischen und ernst zu nehmenden Presse sein”.
(Erschienen am 22. Februar auf medienfloh.de)
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