(Dank an den Hinweisgeber!)
(Dank an den Hinweisgeber!)
Das dachte ich, als ich heute morgen das “TV-Programm am Montag” in der NWZ las.
Pro7 hat da den heutigen Tagestipp “Jumper” doch frecherweise gestern schon ausgestrahlt. Andere Quellen wie tvtv.de haben sich ebenfalls von Pro7 an der Nase herumführen lassen.
Und den Knaller bringt dann rtv, das Fernsehmagazin der NWZ, indem dort ein gänzlich anderes TV-Programm angekündigt wird. Die Verwirrung ist perfekt, wem soll ich bloß jetzt glauben?
Sogar Pro7 macht auf seiner Webseite widersprüchliche Angaben. Und da die NWZ vermutlich (!) die TV-Programmseite nur fertig layoutet zukauft, fehlt natürlich jemand der mal in Unterföhring anruft.
Na, wenn NWZ-TV an den Start geht, wird das bestimmt besser werden – in 2011.
Neu in diesem Blog ist der “Fehlgriff des Monats”. Damit wollen wir bemerkenswerten Medienausflüssen zu der Aufmerksamkeit verhelfen, die sie verdienen. Hierzu freuen wir uns immer auf Ihre Vorschläge!

Gewonnen hat im Oktober die NWZ-Redakteurin Sabine Schicke, die die Oldenburger Hartz IV-Demonstration vom 10. Oktober 2010 sprachlich in die Nähe gewaltsamer Aufruhr rückte. Gelungen ist ihr dieses mit folgender Aussage:
Auf dem ganzen Weg blieb es friedlich, auch als man an den Paletten voller Pflastersteine an der Schlosshöfe-Baustelle vorbeizog.
Pflastersteine kennen wir aus Rostock im Jahre 2007 (s. Bild) oder aus weiter vergangenen Tagen, zum Beispiel dem 17. Juni 1953, als der Mob es wagte, für mehr Rechte in der DDR Steine in die Hand zu nehmen.
Aufgrund dieser suggestiven Überzeichnung und gleichzeitigen Herabwürdigung des Volksaufstandes von 1953 war Frau Schicke auszuzeichnen. Der Preis dieses mal: Pflastersteine aus der Apotheke gegen Heiserkeit!
Permanente Kameraüberwachung an Autobahnen verstößt gegen das aus Art. 2 des Grundgesetzes abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Dagegen hatten auch Autofahrer geklagt, sodaß die Polizei jetzt temporäre Überwachungen durchführt, wie uns die NWZ heute berichtet.
Doch mit dem Vokabular bezüglich Persönlichkeitsrechte scheint es noch nicht 100%ig zu funktionieren.
Das schöne an Sprache ist ja immer ihr Selbstoffenbahrungscharakter.
Update 15.06.2010: “NWZ-Handyscout” ist eine eingetragene Marke der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
“Ärgern Sie sich oft bei der Zeitungslektüre?”, fragte neulich die FAZ am Sonntag. Marcel Reich-Ranicki, der am vergangenen Mittwoch 90 Jahre alt wurde, beantwortete die Frage so: “Manchmal ärgere ich mich, oft ärgere ich mich nicht.” Allerdings gehören zu seinem Zeitungs-Set nur die FAZ, die “Welt” und die “Süddeutsche”. Die NWZ ist nicht dabei, sonst hätte seine Antwort wohl auch anders ausgesehen.
Während Herr Reich-Ranicki sich über die literarische Güte der Zeitung hermachen würde, muß ich einmal ein Foto kommentieren, das Deutschlands teuerster Handy-Scout, NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim, höchstpersönlich “geschossen” hat. (NWZ, 28.05.2010)

Deutschlands teuerster Handy-Scout lieferte dieses Foto: Rolf Seelheim, Chef-Redakteur der NWZ (Quelle: ebenda)
Vom technischen Standpunkt aus müßte Herr Seelheim sich selbst kündigen, denn das Foto weist erhebliche Mängel auf:

Am Rande des Pixel-Universums: ungenügender Dynamikumfang von Handykameras führt zur Kontrasteinbußen (kleines Kästchen)
Kontraste: sowohl die hellen Flächen oben in den Ecken als auch die dunklen Anzüge zeigen nur noch Spuren von Kontrasten
Tonwerte: alle abgebildeten Personen haben den ganzen Abend Karottensaft zu sich genommen, einen kräftigen Sonnenurlaub hinter sich oder die Kamera war der Aufgabe nicht gewachsen.
Ich komme daher zu dem Schluß, daß dieses Malbild Foto mit einer Handy-Kamera gemacht worden sein muß.
Freunde, ich bitte Euch! Ihr mutiert langsam aber sicher zu den größten Internetausdruckern der Welt! Erst druckt Ihr tonnenweise mein-oldenburg.de (und Derivate) aus, nun auch noch twitpic.com-Geknipse!
Bekommt der Chef-Redakteur dafür, daß er seinen eigenen Artikel und sein Foto nun in die Zeitung gesetzt hat, auch ein entsprechendes Millimeter-Honorar? Ist das ein Insichgeschäft, mit dem er sich selbst Honorar verabreicht? Mit Handyfotos?
Ist die NWZ so geizig, einem ausgebildeten Fotografen die 50 EUR zu gönnen, oder war das ein Anfall von Ad-hoc-Journalismus? Traf Herrn Seelheim die Situation unvorbereitet und fürchtete er den Wettbewerb, dem die abgebildeten Personen tatsächlich in die Kamera schauten? Fragen über Fragen…
So eine ungenügende Fotoqualität hat Rolf Trauernicht nicht verdient! Der Mann hat wenigstens noch Visionen: EuroRapid!
Die Überschrift (“Plädoyer für Transrapid endlich auch in Deutschland”) ist alt, abgegriffen und sehr, sehr weit hergeholt – aus Bayern nämlich. Dort hatte Edmund Stoiber das einzig wahre Plädoyer für den Transrapid gehalten.
Natürlich verliert auch dieser Artikel bei 218 Wörtern kein kritisches Wort darüber, warum der Transrapid sich bisher nicht in Deutschland und der Welt nicht durchgesetzt hat. Dieser Information fällt hier unter den Tisch genauso wie in den anderen 181 Artikeln in den vergangenen 20 Monaten. (durchschnittlich 9 Erwähnungen/Monat)
Hier ein Abriss:
Ich habe für Analysezwecke einmal auf nwzonline.de nach ‘Transrapid’ gesucht. Das sollte man ruhig mal tun, um einmal zu sehen, wie die NWZ so über die Zeit darüber berichtet.
Wärmstens empfehlen möchte ich dazu mal den Wikipedia-Artikel zum Transrapid: http://de.wikipedia.org/wiki/Transrapid
– werden als Spende behandelt, gehen in das Projekt ein oder werden gemeinnützigen Vereinen zugewendet.
Ich beherrsche fünf Sprachen fließend, dazu noch meine Muttersprache. Ich habe auf dem Gymnasium zwei Klassen übersprungen und habe Vertretung für erkrankte Lehrkräfte gemacht. Ein Studium fand ich zu langweilig, darum habe ich gleich BWL, VWL, Philosophie und Psychologie parallel studiert. Zu Medizin konnte man mich nicht überreden, da mir das zu langweilig war. Ich laufe morgens im Park, wenn meine Altersgenossen ausgelaugt aus der Disko kommen, damit ich um halb sieben in der Agentur sein kann, wo wir dann die ersten Fotoshootings machen. Ich sehe natürlich blendend aus, und auch ich meine, daß ich hübsch und ausgesprochen sexy aussehe. Das liegt auch an meiner perfekt auf mich abgestimmten Ernährung, die ich ganz bewußt Tag für Tag genieße. Wenn nicht gerade Mitarbeiter meinen Rat suchen, bekomme ich Anrufe von Kunden, meistens Vorstandsleute, mit denen ich geschickt verhandele. Nachmittags bereite ich bei einem Latte Macchiato ein Lernprogramm für die Gruppe behinderter Kinder vor, die ich ehrenamtlich unterrichte. Anschließend acht Kilometer Schwimmen, Total Body Workout, Klavier vorspielen beim Orchester, und vorm Schlafen gehen noch das Ölbild zuende malen.
Wollen Sie mich engagieren?
Zugegeben, der Text ist jetzt etwas übertrieben, aber wer erwartet denn schon, daß ich realistisch über mich schreibe? Realität hat jeder zuhause, unterwegs im täglich drögen Berufsverkehr im Bus, im Auto auf der Straße, im Winter bei Neonlicht usw. Realität ist Durchschnitt.
Wir aber wollen das außergewöhnliche!
Das bekommen wir denn so auch von der hiesigen Lokalzeitung versprochen. Die Nordwest-Zeitung berichtete am 10. Februar 2010 nicht ganz ohne Stolz, daß ihr Internetableger NWZonline im Januar zuvor “über eine Million Besucher” zu verzeichnen hatte. Auch die Zuwachsraten (+28,2 Prozent gegenüber dem Vormat) sind verheißungsvoll.
Angereichert wird die NWZ-Statistik dann noch mit Vergleichszahlen der Onlineableger anderer Zeitungsverlage. Warum die Verleger mal wieder ihr eigenes Süppchen kochen? Immerhin wird die NWZ-visitzahl umrahmt von Werbeträgern wie Maedchen.de, essen-und-trinken.de und hiphop.de, die jeweils auch ca. 1,1 Mio. Visits zählen ( http://ausweisung.ivw-online.de/ ). Ist diese Peergroup unter Niveau?
Fakt ist auch, daß der Dezember aufgrund der Feiertagsdelle allgemein für schwache Besuchszahlen sorgte. So konnte ich mit diesem Blog im Januar ebenfalls starken Zuwachs verzeichnen: +19,2 Prozent im Januar 2010 gegenüber dem Vormonat. Und? Hören Sie die Sektkorken knallen? Nein, denn auf so niedrigem Niveau sind solche Streuungen keine Besonderheit. Wenn Spiegel-Online mit 123 Mio. Visits auf +28 Prozent käme, dann würde ich mir als Systemadministrator des Webservers Sorgen machen, aber bei 1,1 Mio…
Interessant ist auch der Substitutionsprozess, in dem wir uns gerade befinden. Inhalt bleibt Inhalt, das “Medium” unterliegt dem technischen Wandel.
Denn der Trend bei den NWZonline-Visits geht klar nach oben.
Was sind Visits und wie werden diese gezählt?
Wenn Sie diese Internetseite aufgerufen haben, hat mein Webserver Ihnen zahlreiche Dateien geschickt: HTML für die Seitenbeschreibung, CSS für das Seitenlayout und jede Menge Bilder. Jeder Dateitransfer vom Server an Ihren Internetbrowser wird als hit gezählt, was werbetechnisch unbedeutend ist. Daher werden alle hits zum Ausliefern einer Seite zu pageimpressions (PI) zusammengefaßt. So wie Sie sich hier durch die Kategorien, Tags, Seiten klicken, erzeugen Sie auch ebensoviele PIs.
Wenn ich in die Seite eine Werbegrafik einbaue, so zählt man das Aufrufen der Grafik als ad impression, was multipliziert mit dem TKP den Erlös für das Medienunternehmen und Ihre Kosten als Werbetreibender darstellt. Mit Bildergalerien könnte ich diesen Wert nach oben treiben. Und so kosten dann auch 30.000 ad impressions 900,00 EUR zzgl. MwSt. (Quelle: http://www.nwzonline.de/nwz/module/wirueberuns/downloads/Mediadatenonline.pdf Achtung: 14 MB!) 30.000 PIs sind für jeden halbwegs vernünftigen Weblog realistisch.
Aufgrund der Tatsache, daß Zeitungsverlage Bildergalerien mit hunderten von Fotos zu einem einzigen Ereignis einstellten, somit die ad impressions nach oben trieben (“Besonderer Anziehungspunkt auf NWZonline sind die Bildergalerien.”, Originalzitat NWZ), ging der Schwerpunkt der Betrachtung von den PIs über zu den visits (Link). Hierbei werden zusammenhängende pageimpressions zu einem visit zusammengefaßt.
Die Kunst liegt nun darin, einen einzelnen visit genau abzugrenzen. Dazu bedient man sich grob zweier Techniken: die Cookies, also kleine, lokal abgespeicherte Textdateien, mit der der einzelne Besucher wieder identifiziert werden kann und das ident-Verfahren, das mittels der Kombination aus IP-Adresse, Forwardedfor, Agent (Browser) und Betriebssystem auf einen vorherigen Besucher zu schließen versucht.
Definiert ist ein visit weiter wie folgt:
Ein Visit bezeichnet einen zusammenhängenden Nutzungsvorgang. Ein Visit beginnt, wenn ein Nutzer innerhalb eines Angebotes eine PageImpression erzeugt. Jede weitere PageImpression, die der Nutzer im folgenden innerhalb des Angebotes erzeugt, wird diesem Visit zugeordnet. Der Visit wird als beendet angesehen, wenn länger als 30 Minuten keine PageImpression durch den Nutzer erzeugt worden ist. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt innerhalb von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird kein neuer Visit gezählt. Wechselt der Nutzer auf ein neues Angebot und kehrt nach Ablauf einer Frist von 30 Minuten auf das alte Angebot zurück, so wird ein neuer Visit gezählt. (Quelle: www.ivw.de)
Um eine gewisse Neutralität und Unabhängigkeit zu gewährleisten, übernimmt dieses Verfahren nicht das Medienunternehmen selbst, sondern z.B. die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., kurz IVW. Dazu bauen die Medienunternehmen auf ihrer Webseite eine Grafik der IVW ein, die 1×1 Pixel groß ist. Hiermit kann die IVW den Zugriff registrieren. Bei besonders stark frequentierten Webseiten kommt eine Hardwarelösung vor Ort beim Medienunternehmen zum Einsatz.
Kritisch muß auch die Frage des Datenschutzes gestellt werden, da IP-Adressen als personenbezogene Daten gelten. Aufgrund der IP-Adresse ist es möglich, den Anschlußinhaber zu ermitteln.
Da Medienunternehmen mitunter mehrere Internetangebote betreiben, ist es den ivw-Teilnehmern gestattet, eine Local-Liste anzulegen, auf der alle Angebote registriert sind, die in die Zählung mit einfließen sollen. Die NWZ-Local-Liste zum Genießen per 10.02.2010 (Quelle: www.ivw.de):
*nwzonline.de* *nwz-online.de* *nwz.nordwest-marktplatz.de* *nwztv.nordwest-zeitung.de* *nwz-online.immowelt.de* *asp09.photoprintit.de/microsite/12073/* *nwz.stellenanzeigen.de* *nwztrauer.de* *nwz.trauer.de* *nordwest-ticket-server.de* *bauherrencheckliste.de* *eurotrainer.de/nwz* *moneyspecial.de/298* *fondscontainer.vwd.de/nordwestzeitung* *reifezeit.net* *oldenburger-familienfest.de* *nwz-azubis.de* *bltrainer.de/nwz* *stadtfest-oldenburg.de* *nwz.leserauktion.de* *nwz.ivwbox.de* *admin.brightcove.com/[[IMPORT]]/www.nwzonline.de/tv/ivw_analytics_v1.swf* *mein-edewecht.de* *mein-nordenham.de* *mein-rastede.de* *mein-wildeshausen.de* *nwz.fanshopper.de* *bl-trainer.de/nwz* *snoa.de* *mein-oldenburg.de* *btw1.de* *btw2.de* *btw3.de* *btw4.de* *btw5.de* *btw6.de* *nwz.immowelt.de* *oldenburg.2ndarea.com* *http://admin.brightcove.com/[[IMPORT]]/video.oms.eu/projekt/download/ivw_analytics_v1.swf* *partner.hanseatreisen.de/nwz* *studivz.net/oldenburg* *meinvz.net/oldenburg* *traueranzeigen.nwzonline.de*
Nicht nur, daß mit den unterschiedlichsten Angeboten der Eindruck erweckt würde, alle 1,1 Mio. Besuche galten dem NWZonline-Angebot! Auffallend war hier der Eintrag “studivz.net/oldenburg”, der meines Erachtens nach irreführend ist.
Verschärfend kommt hinzu, daß hier mit dem Wappen der Stadt Oldenburg in besonderer Weise der offizielle Eindruck gefördert werden soll. Es ist ja schön, daß jemand die Stadt Oldenburg im StudiVZ-Portal vertritt und bekannter macht, aber bitte bedenken wir: es handelt sich um ein Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht.
Forderung soll es nicht sein, die Adresse “irgendwasVZ.net/oldenburg” herauszugeben (vgl. twitter.com/mannheim). Ich persönlich könnte aber besser schlafen, wenn das Stadtwappen entfernt würde und auch sonst der Eindruck einer offiziellen Bürgervertretung vermieden würde.
Nachtrag 15. Februar:
Wen es interessiert, wie bei StudiVZ so eine Zählung aussieht, kann ja mal auf http://studivz.net/oldenburg gehen und im Browser unter ‘Ansicht’ -> ‘Quelltext anzeigen’ (o.ä.) sich den Code ansehen. Darin dann nach ‘ivw’ suchen. Die Math.random()-Funktion dient vermutlich dazu, daß der Browser bei einem neuen Seitenabruf auch eine neue IVW-Grafik zieht und nicht die alte aus dem Cache holt.
Hinweis 15. Februar: Kommentar von Daniel Schütte von NWZOnline siehe unter Kommentare Nr. 8.
(Erschienen am 10. Februar 2010 auf medienfloh.de)
– werden als Spende behandelt, gehen in das Projekt ein oder werden gemeinnützigen Vereinen zugewendet.