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Rezension der NWZ vom 2. Mai 2011

Ja, ich habe das NWZ-Abo gekündigt, fristlos sogar, weil´s ging. Der Follow-up-Anrufer notierte zwar noch “aus redaktionellen Gründen”, aber ich versprach ihm, hin und wieder mal einen Blick ins Blatt zu werfen.

Das tat ich heute, und ich bedauere es schon wieder.

1.) Die Kinder-NWZ klärt auf: “Moderne Piraten – Schrecken der Meere”

Unter “Was sind Piraten” lernte ich, daß das Wort “Pirat” vom griechischen “peiran” kommt und übesetzt “etwas wagen” bedeutet. Da ich Pirat bin, ist das natürlich sehr schmeichelhaft. Aber das war´s dann auch schon an positivem.

2.) Ein paar Seiten weiter klärt uns die Kinder-NWZ über die Vor- und Nachteile der Atomkraft auf. Es beginnt natürlich mit dem Vorteil, daß man ohne CO2-Produktion Strom erzeugen kann, welches ja für die Klimaerwärmung verantwortlich ist. Dann: “Doch die meisten Menschen glauben, dass die Nachteile größer sind. Denn…”

Hat die Redaktion da etwas nicht verstanden? Die Menschen glauben nicht, daß das saugefährlich ist, nein, sie wissen es. Das ist ein himmelweiter Unterschied, und ich will hier mal nicht böse, manipulative Absicht unterstellen…

3.) Auf der Seite 24 vom Zeitungsbuch “Oldenburger Land” druckt die Redaktion 1:1 die dpa-Meldung zur Preisverleihung des Kleinkunst-Ehrenpreises Baden-Würtemberg ab. Den Preis erhielt Georg Schramm.  Damit endet die NWZ-Meldung im Prinzip auch schon.

Schade nur, wenn man nicht recherchiert und dann den eigentlichen Knaller des Abends nicht mitbekommt. Die Badische Zeitung schrieb nämlich: “Georg Schramm sorgt für Eklat im Europa-Park” Der Schramm hat den ganzen CDU-Bonzen – gelinde gesagt – die Meinung gegeigt, woraufhin die “noblen Arschlochrufer” “Sauerei” und “Aufhören” riefen sowie die Rückerstattung des Preisgeldes verlangten. Dumm nur, dass Schramm grundsätzlich alle Preisgelder an Medico International für Flüchtlingshilfe spendet. Der Schuß ging also nach hinten los.

Aber davon will man ja in der gerüchteweise CDU-nahen NWZ nichts wissen.

4.) Rolf Seelheim, Chefredakteur der NWZ und Politik-Verantwortlicher der Wilhelmshavener Zeitung, erklärt uns in seinem Kommentar den internationalen Terrorismus und daß Deutschland “unverändert im Fadenkreuz des internationalen Terrors” stünde. Er übernimmt damit 1:1 eine Formulierung von Bundesinnenminister Friedrich, ohne zu erwähnen, daß es vielleicht einen Zusammenhang mit der bevorstehenden Entscheidung über die Verlängerung der “Anti-Terror-Gesetze” gibt. Da kommen solche Beinahe-und-in-letzter-Sekunde-verhinderten-Anschläge doch gerade recht, oder?

5.) Oliver Bloch interviewt Gerd Koop, Leiter der JVA Oldenburg und Vorsitzender des hiesigen Präventionsrates, zum bevorstehenden Deutschen Präventionstag in Oldenburg. Koop fordert ziemlich offensichtlich Internetzensur, aber das… überhört Oliver Bloch. Schade, denn Pressefreiheit ist eben nicht “durch Gottes Gnaden” verliehen worden, sondern wurde teuer und hart erkämpft. Kampflos und unter Wert gibt Bloch sie wieder her, die Pressefreiheit.

Update: und auf Seite 21 finden wir heute die BDZV-Anzeige “Der Großteil der Menschheit kennt keine Pressefreiheit”. Aber bei uns ist ja aaaaaalles ok! Keine Web-Sperren, keine Internetsperren auf EU-Ebene, keine Vorratsdatenspeicherung… Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen!

Update 6.) Wahrscheinlich nur ein dummer Zufall, aber irritiert bin ich über folgende Koinzidenz: Auf der Titelseite befindet sich die Anzeige zur “Senioren-Kontakt-Börse” (“Anzeigencoupon liegt bei”), die am 28. Mai veröffentlicht wird (gedruckt, nicht online!). Und auf Seite 33 folgt dann der redaktionelle Niederschlag inform des Artikels “Frisch verlobt im Altenheim”. Bestimmt nur ein Zufall. Aber die Redaktion/der Verlag beweist hier par excellence: “Know your customer!”

Fazit

Es wäre jetzt abwägig, die 1,40 EUR für das Blatt zurückzufordern, man kauft schließlich eine Zeitung nicht wie ein Buch, in dem man vorab stöbern darf. Aber heute hätte ich das Geld schon gerne wieder gehabt.

Laut der Fachzeitschrift “Werben & Verkaufen” (15/2011) sind die meisten Leser einer Zeitung über 50 Jahre alt und verfügen über monatlich 2.500 EUR. So gesehen, kann ich mir noch über zehn Jahre lassen, um in dieses Raster zu fallen.

Am 27. Januar 2010 verkündete die Nordwest-Zeitung nicht ganz ohne Stolz: “Zeitung schlägt das Internet“.

Nun meldet die Stockholmer Tageszeitung “Aftonbladet”, sie verdiente mit Online-Werbung mehr Geld als in der Print-Ausgabe. Und so titelt die taz am 2. März 2011 also folgerichtig: “Online schlägt Print“.

Und der kommerzielle Erfolg, liebe Verleger, ist es doch, der zählt, oder?

Ein Vorteil der Lokalzeitung soll ja angeblich ihr Bezug zum Lokalen sein. Wieviel Spürsinn die Fotoredaktion der NWZ (wenn es sie denn gibt) hat, bewies sie am 17. Februar als sie eine Buchlesung ankündigte zum Thema Ultra-Fußballfans.

Dumm nur, daß das abgedruckte DPA-Foto eine Frankfurter Ultra-Gruppe zeigt und keine lokale aus Oldenburg. Bilder muß es doch geben, wer sonst sorgt im Marschwegstadion für Stimmung?!

Wie will man so als Zeitung die bitter notwendige Akzeptanz vor Ort bekommen? So nicht.

Der Nordwesten hinkt online hinterher

Alte Geschäftsmodelle ins Internet zu übertragen ist so eine Sache.

Informieren Sie sich gleichzeitig aus Zeitung und dem Internet? Dann machen Sie doch mal den Test: Streichen Sie die Artikel in der Zeitung aus, von denen Sie bereits aus dem Netz tags zuvor gelesen, gesehen oder gehört haben. Wie? Bleibt nicht viel harte journalistische, knallhart recherchierte Arbeit übrig?

Dann geht es Ihnen wie Jesse Brown hier:

Nächster Test:

Astrid Grotelüschen ist zurückgetreten. Das erfahren Sie aber nicht, wenn Sie auf die Startseite von nwzonline.de gehen. Sie können sogar danach suchen (Suchbegriff “grotelüschen”), werden aber nichts finden. Nur im Menü “Politik” -> “Nachrichten” finden Sie die Nachricht von gestern, die auch in der Print-Ausgabe zu finden war.

Immerhin vertrat Frau Grotelüschen den Wahlkreis 29 (Delmenhorst, Wesermarsch, Oldenburg-Land) im Bundestag, da wären Informationen “made in Oldenburg” vorteilhaft.

Und so lesen wir munter auf HAZ (10:36 Uhr) und  Welt (12:31 Uhr), während die NWZ-treue “Netzgemeinde” in Oldenburg weiter ahnungslos und eingeschneit im Internet surft.

Nachtrag: Ganz ahnungslos bleibt Netz-Oldenburg nicht. Die nwzonline-Seite macht gerade (14.33 Uhr) mit folgender Welt-Schlagzeile auf:

Handgreiflicher Streit um geparktes Auto in Jever

Dazu fällt mir nur das ein.

Am 30.11.2010 schrieb NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim (61) der Welt seine Meinung über Wikileaks. Die kann man nicht so stehen lassen.

Wikileaks ist nicht böse und auch nicht gut. Selbst Albert Einstein hat aufgrund seines Beitrages zum Bau von Atombomben kein schlechtes Gewissen. Es sind wir Menschen, die durch die Benutzung dem einen Sinn geben, und so treffen die weltweiten Anklagen deswegen gegen Julian Assange den falschen. Allerhöchstens sind es die ‘whistleblower’, also Hinweisgeber aus Gewissensgründen, die ihre Existenz aufs Spiel setzen, wenn sie sich eines Geheimnisverrats schuldig machen.

Da die Dokumente aus dem Secret Internet Protocol Router Network (SIPRNet) stammen, zu dem 2,5 Mio. US-Beamte und Militärs Zugang haben, stellt sich doch die Frage, ob man da noch von Geheimnisverrat sprechen kann. Die “Atomcodes”, Herr Seelheim, liegen dort jedenfalls nicht, weshalb Ihre Frage auch hier ins Leere greift.

Außerdem wurde durch Wikileaks am 5. April 2010 unter dem Namen ‘collateral murder‘ ein US-Luftangriff im Irak bekannt, bei dem ein Duzent Zivilpersonen ums Leben kam, darunter zwei Reuters-Journalisten. Kinder wurden dabei durch Maschinengewehrkugeln schwer verletzt. Die sarkastischen Kommentare der US-Schützen während des Angriffes lösten weltweite Empörung aus.

(per E-Mail an leserforum@nordwest-zeitung.de am 10.12.2010)

Auf die ‘human touch’-Berichterstattung der NWZ vom 18. Oktober 2010 über den Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) erhielten wir folgenden Kommentar zugesendet:

Kinder sind gewinnbringend, für Politiker auf eine ganz spezielle Weise.
Wer sich mit ihnen ablichten lässt, wirkt sympathisch. Mehr noch, man
zeigt sich von einer menschlichen Seite. Für Politiker, die in ihren
Ämter nicht selten wie kühl kalkulierende Technokraten wirken, sind
solche Bilder ein wichtiger Teil für die PR-Strategie.
Das weiß auch Ministerpräsident David McAllister (CDU), der nicht viele
Gelegenheiten auslässt, öffentlich den liebenden Papi überzeugend
darzustellen. Schöne Bilder entstehen dabei und so einer ist dann auch
für breite Kreise wählbar. Dafür sind unter anderem Wähler empfänglich,
die aus dem Bauch heraus entscheiden und sonst eher unpolitisch sind.

Nun braucht man als Politiker willige Medien, die solche Bilder gepaart
mit einer netten Story transportieren. Wenn das auch noch auf Seite eins
einer Tageszeitung geschieht, kann man sich besonders glücklich
schätzen. Zur Freude des Ministerpräsidenten war die Nordwest Zeitung am
gestrigen Montag mal wieder besonders willig. Auf der Titelseite durfte
ein lächelnder McAllister unter der Überschrift “Zeit für Gefühle”
Tochter Mia, die mit ihrem Papa “ausgiebig kuschelte”, im Arm halten.
Als Leser stellt man sich indes die Frage, wer hier ausgiebiger
kuschelt? Die Tochter mit dem Papa oder die NWZ mit dem CDU-Politiker?

jk

Der Deutsche Presserat rügt laut einer Pressemitteilung vom 17. September die Nordwest-Zeitung, weil sie das Persönlichkeitsrecht der Opfer eines Familiendramas in Hude missachtete. Das Persönlichkeitsrecht gilt gem. Art. 2 Abs. 1 (freie Entfaltung der Persönlichkeit) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 (Schutz der Menschwürde) des Deutschen Grundgesetzes auch über den Tod hinaus und ist daher zu beachten.

Der nicht-öffentlichen Rüge – in Anbetracht des Opferschutzes die schärfste “Sanktion” gegen die NWZ – widersetzt sich die Nordwest-Zeitung leider bis heute. Die gerügte Abbildung von Straßennamen und Haus der Opfer findet bis heute und darüber hinaus statt, wie ein Blick in das “NWZ-Spezial” offenlegt:

http://www.nwzonline.de/familiendrama-hude *)

bwz. auf NWZ-TV

Es ist unerträglich, wie eine Lokalzeitung aus purer Sensationsgier sich über das postmortale Persönlichkeitsrecht von Betroffenen stellt, um damit die Auflage zu steigern und Gewinne zu maximieren.

Der Presserat selbst erklärt, daß “all diese Details nach Auffassung des Beschwerdeausschusses über das öffentliche Interesse hinaus” gingen und damit gegen den Pressekodex, dem sich die NWZ einmal unterwarf, verstößt.

*) Update 30.09.2010: das “Special” wurde vom Verlag entfernt, das Video ist weiterhin abrufbar

An die NWZ:

Ihre Kommentare entbehren jeder Rechtfertigung. Sie lassen den notwendigen Respekt für mein Abo vermissen. Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Abonnement -
mit sofortiger Wirkung.

So ähnlich würde ich jetzt am liebsten das Abo kündigen. Denn die Kommentare von Rolf Seelheim in den vergangenen Tagen lassen eines wirklich vermissen: Überparteilichkeit.

Klar, eine Meinung soll jeder haben. Die Qualität eines Zeitungskommentars bemesse ich aber an seiner Ausgewogenheit: Hat der Autor alle relevanten Fakten herangezogen? Hat er versucht, seine Meinung aus der Perspektive eines Dritten zu hinterfragen?

Könnte mir einer der mitlesenden Profi-Journalisten einen Tipp geben, was man zum Thema “Kommentar” auf der Journalistenschule lernt? Link, Buchtipp wäre super.
(Kontakt siehe Impressum oder hier “Kommentar” ;-) schreiben)

Welche Arten von Kommentaren gibt es? Wie sollten sie strukturiert sein? usw.

Erinnert sei hier an die Podiumsdiskussion vom Juni 2009, gesendet bei Oeins. Als ein Zuschauer nahelegte, die NWZ würde einer gewissen politischen Richtung nahestehen, erhob sich NWZ-Miteigentümer Reinhard Köser (sein Coach muß gerade eine rauchen gewesen sein) und forderte Satisfaction ihn auf zu sagen, welcher Partei man nahestünde und ob er dieses beweisen könne.

Nun, der Beweis dürfte in Person von Rolf Seelheim nun erbracht sein. Auch sonst tritt dieser durch neo-konservative Einstellungen in Erscheinung, wie ich finde und wie man auf NDR Info hören durfte. (Fürs Archiv habe ich die Gesprächsrunde auf jeden Fall mal aufgezeichnet.)

Update 15.06.2010: “NWZ-Handyscout” ist eine eingetragene Marke der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.

“Ärgern Sie sich oft bei der Zeitungslektüre?”, fragte neulich die FAZ am Sonntag. Marcel Reich-Ranicki, der am vergangenen Mittwoch 90 Jahre alt wurde, beantwortete die Frage so: “Manchmal ärgere ich mich, oft ärgere ich mich nicht.” Allerdings gehören zu seinem Zeitungs-Set nur die FAZ, die “Welt” und die “Süddeutsche”. Die NWZ ist nicht dabei, sonst hätte seine Antwort wohl auch anders ausgesehen.

Während Herr Reich-Ranicki sich über die literarische Güte der Zeitung hermachen würde, muß ich einmal ein Foto kommentieren, das Deutschlands teuerster Handy-Scout, NWZ-Chefredakteur Rolf Seelheim, höchstpersönlich “geschossen” hat. (NWZ, 28.05.2010)

Zum Foto

Deutschlands teuerster Handy-Scout lieferte dieses Foto: Rolf Seelheim, Chef-Redakteur der NWZ (Quelle: ebenda)

Vom technischen Standpunkt aus müßte Herr Seelheim sich selbst kündigen, denn das Foto weist erhebliche Mängel auf:

  1. Am Rande des Pixel-Universums: ungenügender Dynamikumfang von Handykameras führt zur Kontrasteinbußen (kleines Kästchen)

    Kontraste: sowohl die hellen Flächen oben in den Ecken als auch die dunklen Anzüge zeigen nur noch Spuren von Kontrasten

  2. Hat der Ministerpräsident dieses Foto autorisiert? (großes Kästchen im Bild oben)

    Tonwerte: alle abgebildeten Personen haben den ganzen Abend Karottensaft zu sich genommen, einen kräftigen Sonnenurlaub hinter sich oder die Kamera war der Aufgabe nicht gewachsen.

  3. Arrangement falsch: keiner der abgebildeten Personen schaut in die (richtige) Kamera.

Ich komme daher zu dem Schluß, daß dieses Malbild Foto mit einer Handy-Kamera gemacht worden sein muß.

Freunde, ich bitte Euch! Ihr mutiert langsam aber sicher zu den größten Internetausdruckern der Welt! Erst druckt Ihr tonnenweise mein-oldenburg.de (und Derivate) aus, nun auch noch twitpic.com-Geknipse!

Bekommt der Chef-Redakteur dafür, daß er seinen eigenen Artikel und sein Foto nun in die Zeitung gesetzt hat, auch ein entsprechendes Millimeter-Honorar? Ist das ein Insichgeschäft, mit dem er sich selbst Honorar verabreicht? Mit Handyfotos?

Ist die NWZ so geizig, einem ausgebildeten Fotografen die 50 EUR zu gönnen, oder war das ein Anfall von Ad-hoc-Journalismus? Traf Herrn Seelheim die Situation unvorbereitet und fürchtete er den Wettbewerb, dem die abgebildeten Personen tatsächlich in die Kamera schauten? Fragen über Fragen…

So eine ungenügende Fotoqualität hat Rolf Trauernicht nicht verdient! Der Mann hat wenigstens noch Visionen: EuroRapid!

Zum Text

Die Überschrift (“Plädoyer für Transrapid endlich auch in Deutschland”) ist alt, abgegriffen und sehr, sehr weit hergeholt – aus Bayern nämlich. Dort hatte Edmund Stoiber das einzig wahre Plädoyer für den Transrapid gehalten.

Natürlich verliert auch dieser Artikel bei 218 Wörtern kein kritisches Wort darüber, warum der Transrapid sich bisher nicht in Deutschland und der Welt nicht durchgesetzt hat. Dieser Information fällt hier unter den Tisch genauso wie in den anderen 181 Artikeln in den vergangenen 20 Monaten. (durchschnittlich 9 Erwähnungen/Monat)

Hier ein Abriss:

  • “Schwebetechnik wird zum Milliarden-Reinfall” (NWZ, 15.11.2008)
  • “Bund gibt Transrapid noch Galgenfrist” (NWZ, 29.5.2009)
  • “Brasilianer besichtigen Magnetschwebebahn” (NWZ, 12.09.2009)

Ich habe für Analysezwecke einmal auf nwzonline.de nach ‘Transrapid’ gesucht. Das sollte man ruhig mal tun, um einmal zu sehen, wie die NWZ so über die Zeit darüber berichtet.

Wärmstens empfehlen möchte ich dazu mal den Wikipedia-Artikel zum Transrapid: http://de.wikipedia.org/wiki/Transrapid


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“Die Wahrheit ist relativ. Suchen Sie sich eine aus.”
(Sebastian Stark, Staatsanwalt in der US-Krimiserie “Shark”)

Ulrich Gathmann (Foto) ist seit 2001 Geschäftsführer der Nordwest-Zeitung. Am 10. Juni 2009 nahm er in dieser Funktion an der Podiumsdiskussion “Bürgermedien und kommerzieller lokaler Rundfunk” teil, zu der die SPD-Ratsfraktion in Oldenburg eingeladen hatte und welche vom Lokalsender Oeins übertragen wurde. Hintergrund sind Änderungen des Niedersächsischen Mediengesetzes und der dann mögliche Start von NWZ-TV, dem Fernsehangebot der Nordwest-Zeitung.

Ich denke, daß ein neuer, privater lokaler Fernsehsender an sich kein Problem für die hiesige Medienlandschaft darstellt, abgesehen davon, daß ein Mehr an Fernsehen nicht zwangsläufig klüger macht. Die allgemeine Unruhe, die man in der Podiumsdiskussion, aber auch speziell beim NWZ-Eigner Reinhard Köser und anderen Teilnehmern wahrnehmen konnte, entsteht meiner Meinung nach daraus, wer diesen Sender veranstalten wird. Stellen wir uns nur einmal die umgekehrte Situation vor: Neben einem etablierten NWZ-TV würde man planen, einen weiteren lokalen Rundfunksender, Oeins, zu errichten. Ein Stich ins NWZWespen-Nest! Großalarm in der Peterstraße! Und wie man dort mit Konkurrenz umgeht, wissen die Oldenburger Allgemeine, die Posaune und vor allem der Hunte-Report nur zu genau.

Ich finde, in dieser Sendung sieht man deutlich, wie Herr Gathmann sich die Dinge gerade so zurecht legt, wie es ihm gefällt. Die folgenden Beispiele habe ich dazu einmal aufgeschrieben und kommentiert. Rückblickend betrachtet war diese Podiumsdiskussion auch die Geburtsstunde von medienfloh.de als Meta-Medium – und damit auch vom www.newzblog.de, der ab dem 23. Mai diese Aufgabe übernimmt.

A.) Gesellschaftliche Relevanz vs. Wettbewerb

Es geht hier auch um den Erhalt der Tageszeitungen. Das wird oft vergessen in dieser ganzen Diskussion: Die “mächtige” lokale Tageszeitung.  (…) Wir haben ständig Fusionen in Deutschland, wo Tageszeitungen in Not kommen, die mächtige Tageszeitung auf einmal feststellt: sie hat kein Geld mehr, sie muß fusionieren oder sie muß sich aufkaufen lassen. Wir brauchen eine Entfaltungsmöglichkeit in den neuen Medien. Das  ist für die weitere Entwicklung unserer Häuser entscheidend. (…) Aber ich seh das hat auch eine gesellschaftliche Relevanz. Zeitungen, Tageszeitungen haben eine irrsinnige gesellschaftliche Relevanz. Und es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, sicherzustellen, daß Zeitungen die Chance haben, weiter sich zu entfalten und weiter auch ihr Geschäft zu betreiben. Und es darf nicht Aufgabe der Politik sein, Zeitungen auf das Printgeschäft festzunageln und zuzusehen, wie diese langsam immer weiter ausbluten immer weiter immer weniger werden. Insofern rede ich einer Liberalisierung das Wort. Ich mache mich stark für den Erhalt den Fortbestand des Bürgerrundfunks, aber ich rede hier auch ganz klar von einer gesellschaftlichen Aufgabe, die hier da heißt: Laßt die Zeitungen stark bleiben, guckt euch an was in Amerika passiert, wo das alles den Bach runter geht da, wo die Leute überhaupt nicht mehr informiert sind, wo keiner mehr eine Ahnung hat, was überhaupt los ist in der Welt. Das hängt damit zusammen, daß keiner mehr Zeitung ließt. Dazu darf es in Deutschland nicht kommen. Und da meine ich, da brauchen wir auch die Chance, Fernsehen zu machen.

(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)

A1. Manipulationsversuch

Erkennen Sie den Manipulationsversuch von Herrn Gathmann? Seine Redetechnik nennt sich Schwarzweißmalerei und funktioniert nach dem Muster: “Entweder A oder B & nicht A, also B”. Er möchte damit den Eindruck einer logischen Argumentation erwecken, die es aber nicht ist. Abgesehen davon, daß hier unterschwellig offener Anti-Amerikanismus mitschwingt, behauptet er freimütig, die Märkte in Deutschland und den USA seien vergleichbar. Sie sind es nicht! Und mit höchster Ironie hat dieses der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, deren Mitglied die NWZ ist, in einer Studie festgestellt: “Die Entwicklung am deutschen Zeitungsmarkt ist in keiner Weise vergleichbar mit der schwierigen Situation der US-amerikanischen Zeitungen.” (BDZV-Meldung vom 10. Mai 2010)

Bei so viel Unkenntnis über den amerikanischen Zeitungsmarkt wäre er womöglich ebenso verloren in der Neuen Welt wie einst Mozart in Amerika (Die Mozart-Lüge). Und irgendwie erinnert mich das Schema auch an die Drohkulisse mit den Massenvernichtungswaffen im Irak, die man bis heute aber nicht gefunden hat. Immerhin DIE Rechtfertigung für den Angriffskrieg!

A2. Betonung der gesellschaftlichen Relevanz

Hierzu möchte ich an diejenigen Geldinstitute erinnern, die sich landauf landab als “systemrelevant”, als “too big to fail” deklarierten. Im Prinzip ist alles systemrelevant was uns umgibt. Denn: Steht ein Subsystem nicht mehr im Austausch mit anderen Subsystemen, so gilt es als abgetrennt und verödet. Die Existenz dessen, was uns umgibt, beinhaltet also schon einen Beweis für die Systemrelevanz in sich. Welcher Körperteil von uns dürfte hier nicht von sich behaupten, er sei systemrelevant? (Diskriminieren Sie jetzt nicht den Blinddarm, der hat eine mächtige Lobby!!!)

“Wenn es Unternehmen gibt, die so groß sind, dass man sie nicht pleite gehen lassen darf, dann ist das ein grundsätzlicher Fremdkörper in der Marktwirtschaft.”

(Dr. Harald Schumann, Autor und Journalist)

Wer also gesellschaftliche und Systemrelevanz für sich reklamiert, der will von Wettbewerb nichts wissen und unterwirft sich gedanklich der Vergemeinschaftung und gesellschaftlichen Kontrolle. Das kann nicht im Sinne eines Zeitungsverlages sein. Wer aber gleichzeitig Liberalisierung in bester neoliberalistischer Manier fordert und dann noch die Politik für die “gesellschaftlichen Aufgaben” in die Pflicht nimmt, widerspricht der sich nicht schon selbst? Immerhin hatte der Gesetzgeber sich seinerzeit etwas dabei gedacht, Presse und Rundfunk zu trennen. Aber darüber spricht ja heute keiner mehr.

A3. Wettbewerb?

Und sogar auf dem Feld des Wettbewerbs akzeptiert die NWZ die Spielregeln nicht, wie ein schweres Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen das “Wirtschaftsgrundgesetz” (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) durchblicken läßt:

“Gegen die Nordwest-Mediengruppe verhängte das Bundeskartellamt wegen Verstoßes gegen das Vollzugsverbot eine Geldbuße i. H. v. 2,5 Mio. Euro und i. H. v. 200 000 Euro gegen den ehemaligen Verleger der „Nordwest- Zeitung“ und den Geschäftsführer.”

(Quelle: Bericht des Bundeskartellamtes an den Deutschen Bundestag über seine Tätigkeit in den Jahren 2007/2008)

Ich finde, einerseits von sich als gesellschaftlich “irrsinnig relevant” zu sprechen, die Politik zu Gesetzesänderungen zu drängen, die die Meinungsvielfalt beschneiden, und andererseits freien Wettbewerb zu fordern, dessen Spielregeln nicht einmal eingehalten werden, das ist in meinen Augen ein so widersprüchliches Verhalten, das ich mir a) nur mit bewußter Täuschung oder b) mit kognitiver Dissonanz erklären kann. Ich behaupte hier nichts, außer daß ich hier vor einem Rätsel stehe.

Apropos Wettbewerb: Das Bild, das Herr Gathmann auch hier zeichnet (“ständig Fusionen in Deutschland”!), kann nicht ganz stimmen.

Jahr für Jahr haben die Eigentümer des Nordkuriers, drei Unternehmerfamilien aus dem Westen, mehr als drei Millionen Euro verdient, in dieser strukturschwachen Region. Die Manager eines Weltkonzerns wie Volkswagen würden fünf Prozent Gewinn feiern. Doch die Besitzer von Regionalzeitungen sind mehr gewohnt. Ihr Monopol hat den meisten Verlegern jahrelang Renditen von wenigstens zehn Prozent eingebracht.

Zeit-Online, “Deutschland entblättert” vom 30.11.2009

Es mag ja sein, daß es Verlage gibt, die ihren Betrieb aufgeben müssen, z.B. weil sie vom Wettbewerb be- und verdrängt wurden. Aber was hat das mit der NWZ zu tun? Der Manipulator Gathmann bedient sich hier der sog. Darstellungsfalle, indem er die Marktsituation nur für sich günstig darstellt. (Das Glas ist halb leer.) Wie der Zeit-Artikel zeigt, ist diese Darstellung aber nicht ganz richtig. (Das Glas ist halb voll.)

B.) Bewußtseinskontrollebildung vs. Meinungsbildung

Einen Kracher hat Herr Gathmann dann hier:

Zeitungen tragen einen ganz großen Teil zur politischen Bewußtseinsbildung der Bevölkerung bei.

(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)

Erstaunlich und fast sogar erschreckend ist vor allem, daß Herr Gathmann offen und ohne Scham von “Bewußtseinsbildung” anstatt von Meinungsbildung spricht. Ist egal? Nein, der Unterschied ist enorm!

Bewußtsein schließt nicht alle Handlungsalternativen ein. Um sich aber eine Meinung bilden zu können, müssen Sie alle Alternativen kennen. Fragen Sie sich selbst einmal bei der nächsten Zeitungslektüre, was Ihnen nicht berichtet wird. Nehmen Sie dabei Ihre eigene Lebenserfahrung zur Hilfe. Was sagt Ihr Bauchgefühl? Was sagen die Menschen, die Sie persönlich kennen? Wie verstehen Sie die Abbildung ganz oben im Kopf dieser Webseite im Kontext von Herrn Gathmanns “Bewußtseinsbildung”?

Nijirah al-Sabah (Foto: US Government, public domain)

Man hat Ihnen berichtet, wie Irak im Sommer 1990 Kuwait überfallen hat. Erinnern Sie sich an die Krankenschwester, die von irakischen Soldaten berichtete, und dass diese Soldaten in kuwaitischen Krankenhäusern Säuglinge aus Brutkästen gerissen hätten? Nicht berichtet wurde hingegen, daß diese “Zeugin” Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA war. Dieser Fall ging als sog. Brutkastenlüge in die Geschichte ein, und der anschließende Zweite Golfkrieg kostete mehreren Tausend Menschen das Leben.

Gut, die Medien, auch in Deutschland, haben “nur” die Fakten und Hintergründe nicht recherchiert, die man ihnen geboten hat. Aber am Prinzip, durch Weglassen von Informationen Dritte zu einer bestimmten Handlung zu bringen, ändert das nichts.

Wissen Sie, welche Bodenschätze Somalia hat? Nein? Ach, berichtet niemand?! So, so! Hier mal eine Meldung aus 2008.

(Wenn Sie zu viel Zeit haben, können Sie ja mal das NWZ-Archiv ab dem 10. Oktober 1990 bzgl. der Brutkastenlüge durchstöbern. Gerade da, wo Qualitätsjournalismus seine demokratiesichernde Funktion hätte ausüben können, sich hätte legitimieren können, da hat er versagt.)

Die Bildsprache der NWZ während der drei, dann vier in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten passt dabei bestens ins Bild. Ok, das Militär ist ja ziemlich knauserig, was Bildmaterial von der Front angeht, und embedded journalists hat die NWZ nunmal nicht, aber das heißt nicht, daß man sich zum Werkzeug des Militärs machen darf und nur Schön-Wetter-Bilder vom Verteidigungsminister in Pose drucken soll!

(Ankündigung: Mein nächster Blog-Eintrag handelt von der “Kriegs-Kommunikation der NWZ”)

Das Internet ist dieses Medium wo man alles was man finden will auch findet. Wenn man etwas sucht, dann geht man im Internet auf ‘Suche’ und findet da was. Was das Internet aber nicht leisten kann ist, ein kontinuierliches Bild abzugeben der Entwicklung. Das Internet kann keine Orientierung bieten. Das Internet kann nicht helfen, bestimmte Sachverhalte einzuordnen. Das können nur Zeitungen.

(Ulrich Gathmann, NWZ-Geschäftsführer am 10. Juni 2009)

Sprach Herr Gathmann von NWZonline, als er meinte, das Internet könne keine Orientierung bieten?

Also, die NWZ hat für mich noch nie bestimmte Sachverhalte eingeordnet. Kann eine Tageszeitung, bei der ein Artikel nach Abzug von Werbung, überdimensionalen Fotos und sog. “Infoblöcken” nicht über eine DIN A5-Seite kommt, überhaupt etwas in einen nennenswerten Zusammenhang einordnen?

Herr Gathmann macht hier nichts geringeres, als der Bibel ihre universale Rolle streitig zu machen. Der kleine Mönch in Brechts “Leben des Galilei” würde in dem Fall sagen: “Wozu ist die Heilige Schrift noch gut, die alles erklärt und als notwendig begründet hat, den Schweiß, die Geduld, den Hunger, die Unterwerfung, und die jetzt voll von Irrtümern befunden wird?” (Ersetzen Sie mal spaßeshalber ‘Heilige Schrift’ durch ‘Zeitung’! Na? Dämmert´s?)

C.) Pressefreiheit vs. Informantenschutz

Es wird wohl immer eine Behauptung bleiben, NWZ-Redakteure würden das Büro ihres Chefredakteurs Rolf Seelheim hinter vorgehaltener Hand als “Rolfschanze” bezeichnen, um damit einen gewissen Führungsstil zu beschreiben oder einfach ihren Frust zu kompensieren.

Eine Zeitung, die das zumindest für einen Moment behauptet hatte, war die taz im Artikel “In 11 Schritten zum Meinungsmonopol“. Nur merkwürdigerweise verschwand diese Bezeichnung kurze Zeit später wieder aus dem Netz.

Wie uwe-brandhorst.de nahelegt, war da eine juristische Auseinandersetzung in Anmarsch mit der Forderung, die Behauptung “Chefbüro=Rolfschanze” solle als Tatsachenbehauptung bewiesen werden. Das hätte natürlich den NWZ-Mitarbeiter auffliegen lassen, der als Informant fungiert haben soll. (Wenn es denn überhaupt einen solchen gab…)

(Exkurs: Stellen Sie sich mal vor, die taz hätte irgendeinen armen Voluntär benannt! Was gilt heutzutage noch die Unschuldsvermutung? Wo Rauch ist, ist nämlich auch Feuer…)

Die Frage für die taz war also: Presserecht wahrnehmen oder Informanten schützen.

Der (Leih-?)Arbeitnehmer der NWZ hätte wohl seinen Job an den Nagel hängen können, und daran sieht man, daß im Zweifel Verträge und ähnliches nichts nützen, sondern nur das persönliche Wort, das dann auch eingehalten wird.

Filme zum Thema:

  1. Nothing but the Truth (2008) (Link) Passt hier wie die Faust aufs Auge.
  2. Network (1976) (Link) Medienkonzentration.

Herr Gathman ist Geschäftsführer, und als solcher vertritt er die NWZ gerichtlich und außergerichtlich, wenn im Handelsregister jetzt nichts ungewöhnliches steht. Insofern hat der Kaufmann im Medienbetrieb seine Dünnhäutigkeit einmal mehr unter Beweis gestellt. Der Pressefreiheit hat er jedenfalls einen Bärendienst erwiesen.

D.) weitere Beispiele einer gefährlichen Doppelmoral

Die folgenden zwei Punkte gehen zwar nicht auf das Konto von Herrn Gathmann, dürften ihm in der Art aber nicht ganz unbekannt sein, wie ich hier schon berichten konnte.

  • Wie unverschämt andere Zeitungen mit Fremdmaterial manchmal umgehen, sieht man schön am Beispiel der BILD-Zeitung. Ein Fall hat es kürzlich in den BILDblog geschafft: Bild und Facebook-Bilder (bildblog.de)
  • Pressefreiheit einzufordern, diese aber mit dem Urheberrecht einzuschränken, das versucht sogar der BDZV, deren Mitglied die NWZ ist, selbst. Dabei vergißt er aber, daß er sich damit genauso verhält wie z.B. Scientology: BDZV gegen irights.info, weil letztere den Entwurf der neuen Leistungsschutzrechte des BDZV veröffentlichten (heise.de)

Fazit:

Es steht nicht gut um die Meinungsfreiheit in Deutschland. Schwierigkeiten, in den “vermachteten lokalen Medienmarkt” einzusteigen, haben gerade in Oldenburg einige Unternehmen erlebt. Manche sind gescheitert. Die Wettbewerbsintensität bleibt suboptimal, d.h. zu Lasten der Verbraucher.

Auch Blogger sehen sich einer zunehmenden Verlagsmacht gegenüber gestellt. Für Blogger, die auf sich selbst gestellt ihre Meinung zum aktuellen Geschehen und den verschiedensten Themen veröffentlichen, werden die Verlage gerade mit ihrem geplanten “Leistungsschutzrecht” zu einer akuten Bedrohung. Verlage sind hoch organisiert, nicht nur regional, sondern ausgestattet mit Lobbyistenschnittchen bearbeiten sie Volksvertreter auf Länder-, Bundes- und Europaebene.

Für den einzelnen Blogger ergibt sich damit eine enorme “asymmetrische Bedrohungslage” durch die milliardenschwere Verlagsindustrie, welche nicht nur ihn, sondern auch die ganze westliche demokratische Meinungskultur untergräbt. Wenn der Trend anhält – und jetzt male ich schwarz-weiß – dann werden wir bald Zustände wie in der Stasi-DDR oder im Gestapo-Deutschland haben, wo man höchstens im Keller seine Meinung frei äußern konnte. Das kann doch niemand wollen!

Es ist an der Zeit, zum offenen Kampf überzugehen. Eigentlich sollte dazu der nwzwatchblog.de starten, aber irgendwie, so kam mir zu Ohren, verursacht der Name doch zu viel “Bauchschmerzen” in NWZ-Etagen. Hallo?! Das mit den “Bauchschmerzen” ist doch der Sinn eines Watchblogs! Es ist ja auch ein Meinungsergänzungs- und kein Schmerzmittel!  “Bauchschmerzen” habe ich jetzt jedenfalls übersetzt mit: Lass es, oder du fängst dir eine Abmahnung oder gleich eine Klage ein, und die Kosten trägst du! Da ich den Blog hier aber als Hobby betreibe und keine Zeit mit einem am Ende für mich siegreichen Prozess verlieren will, habe ich den Hinweis als Ansporn genommen und noch einen schöneren Namen gefunden, wie ich jetzt finde.

Daher wird´s jetzt ein wenig englischer und szenetypischer im warez-style mit newz und stylz:

Am 23. Mai startet newzblog.de – Watchblog für Medien in Nordwest-Niedersachsen!


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Buchtipps für Gesprächsvorbereitung mit Herrn Gathmann:

  • “Manipulationen – erkennen und abwehren”, Haufe Verlag 978-3-448-08248-7
  • “Manipulationstechniken”, Haufe Verlag 978-3-448-09298-1
  • “Schlagfertig – Die 100 besten Tipps”, Haufe Verlag 978-3-448-07985-2

DVD der Podiumsdiskussion “Zwischen Kommerz und Kommunikation – Bürgermedien und kommerzieller lokaler Rundfunk” vom 10.6.2009 erhältlich bei Oeins.


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