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(Dank an den Hinweisgeber!)

Rezension der NWZ vom 2. Mai 2011

Ja, ich habe das NWZ-Abo gekündigt, fristlos sogar, weil´s ging. Der Follow-up-Anrufer notierte zwar noch “aus redaktionellen Gründen”, aber ich versprach ihm, hin und wieder mal einen Blick ins Blatt zu werfen.

Das tat ich heute, und ich bedauere es schon wieder.

1.) Die Kinder-NWZ klärt auf: “Moderne Piraten – Schrecken der Meere”

Unter “Was sind Piraten” lernte ich, daß das Wort “Pirat” vom griechischen “peiran” kommt und übesetzt “etwas wagen” bedeutet. Da ich Pirat bin, ist das natürlich sehr schmeichelhaft. Aber das war´s dann auch schon an positivem.

2.) Ein paar Seiten weiter klärt uns die Kinder-NWZ über die Vor- und Nachteile der Atomkraft auf. Es beginnt natürlich mit dem Vorteil, daß man ohne CO2-Produktion Strom erzeugen kann, welches ja für die Klimaerwärmung verantwortlich ist. Dann: “Doch die meisten Menschen glauben, dass die Nachteile größer sind. Denn…”

Hat die Redaktion da etwas nicht verstanden? Die Menschen glauben nicht, daß das saugefährlich ist, nein, sie wissen es. Das ist ein himmelweiter Unterschied, und ich will hier mal nicht böse, manipulative Absicht unterstellen…

3.) Auf der Seite 24 vom Zeitungsbuch “Oldenburger Land” druckt die Redaktion 1:1 die dpa-Meldung zur Preisverleihung des Kleinkunst-Ehrenpreises Baden-Würtemberg ab. Den Preis erhielt Georg Schramm.  Damit endet die NWZ-Meldung im Prinzip auch schon.

Schade nur, wenn man nicht recherchiert und dann den eigentlichen Knaller des Abends nicht mitbekommt. Die Badische Zeitung schrieb nämlich: “Georg Schramm sorgt für Eklat im Europa-Park” Der Schramm hat den ganzen CDU-Bonzen – gelinde gesagt – die Meinung gegeigt, woraufhin die “noblen Arschlochrufer” “Sauerei” und “Aufhören” riefen sowie die Rückerstattung des Preisgeldes verlangten. Dumm nur, dass Schramm grundsätzlich alle Preisgelder an Medico International für Flüchtlingshilfe spendet. Der Schuß ging also nach hinten los.

Aber davon will man ja in der gerüchteweise CDU-nahen NWZ nichts wissen.

4.) Rolf Seelheim, Chefredakteur der NWZ und Politik-Verantwortlicher der Wilhelmshavener Zeitung, erklärt uns in seinem Kommentar den internationalen Terrorismus und daß Deutschland “unverändert im Fadenkreuz des internationalen Terrors” stünde. Er übernimmt damit 1:1 eine Formulierung von Bundesinnenminister Friedrich, ohne zu erwähnen, daß es vielleicht einen Zusammenhang mit der bevorstehenden Entscheidung über die Verlängerung der “Anti-Terror-Gesetze” gibt. Da kommen solche Beinahe-und-in-letzter-Sekunde-verhinderten-Anschläge doch gerade recht, oder?

5.) Oliver Bloch interviewt Gerd Koop, Leiter der JVA Oldenburg und Vorsitzender des hiesigen Präventionsrates, zum bevorstehenden Deutschen Präventionstag in Oldenburg. Koop fordert ziemlich offensichtlich Internetzensur, aber das… überhört Oliver Bloch. Schade, denn Pressefreiheit ist eben nicht “durch Gottes Gnaden” verliehen worden, sondern wurde teuer und hart erkämpft. Kampflos und unter Wert gibt Bloch sie wieder her, die Pressefreiheit.

Update: und auf Seite 21 finden wir heute die BDZV-Anzeige “Der Großteil der Menschheit kennt keine Pressefreiheit”. Aber bei uns ist ja aaaaaalles ok! Keine Web-Sperren, keine Internetsperren auf EU-Ebene, keine Vorratsdatenspeicherung… Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen!

Update 6.) Wahrscheinlich nur ein dummer Zufall, aber irritiert bin ich über folgende Koinzidenz: Auf der Titelseite befindet sich die Anzeige zur “Senioren-Kontakt-Börse” (“Anzeigencoupon liegt bei”), die am 28. Mai veröffentlicht wird (gedruckt, nicht online!). Und auf Seite 33 folgt dann der redaktionelle Niederschlag inform des Artikels “Frisch verlobt im Altenheim”. Bestimmt nur ein Zufall. Aber die Redaktion/der Verlag beweist hier par excellence: “Know your customer!”

Fazit

Es wäre jetzt abwägig, die 1,40 EUR für das Blatt zurückzufordern, man kauft schließlich eine Zeitung nicht wie ein Buch, in dem man vorab stöbern darf. Aber heute hätte ich das Geld schon gerne wieder gehabt.

Laut der Fachzeitschrift “Werben & Verkaufen” (15/2011) sind die meisten Leser einer Zeitung über 50 Jahre alt und verfügen über monatlich 2.500 EUR. So gesehen, kann ich mir noch über zehn Jahre lassen, um in dieses Raster zu fallen.

Ein Vorteil der Lokalzeitung soll ja angeblich ihr Bezug zum Lokalen sein. Wieviel Spürsinn die Fotoredaktion der NWZ (wenn es sie denn gibt) hat, bewies sie am 17. Februar als sie eine Buchlesung ankündigte zum Thema Ultra-Fußballfans.

Dumm nur, daß das abgedruckte DPA-Foto eine Frankfurter Ultra-Gruppe zeigt und keine lokale aus Oldenburg. Bilder muß es doch geben, wer sonst sorgt im Marschwegstadion für Stimmung?!

Wie will man so als Zeitung die bitter notwendige Akzeptanz vor Ort bekommen? So nicht.

Das dachte ich, als ich heute morgen das “TV-Programm am Montag” in der NWZ las.

Pro7 hat da den heutigen Tagestipp “Jumper” doch frecherweise gestern schon ausgestrahlt. Andere Quellen wie tvtv.de haben sich ebenfalls von Pro7 an der Nase herumführen lassen.

Und den Knaller bringt dann rtv, das Fernsehmagazin der NWZ, indem dort ein gänzlich anderes TV-Programm angekündigt wird. Die Verwirrung ist perfekt, wem soll ich bloß jetzt glauben?

Sogar Pro7 macht auf seiner Webseite widersprüchliche Angaben. Und da die NWZ vermutlich (!) die TV-Programmseite nur fertig layoutet zukauft, fehlt natürlich jemand der mal in Unterföhring anruft.

Na, wenn NWZ-TV an den Start geht, wird das bestimmt besser werden – in 2011.

Skatrunde perfekt: Wer sind die drei Freunde?

500 Mio. Nutzer hat die Socialmedia-Plattform facebook, aber nur drei davon gefällt die Nordwest-Zeitung. Das ergab eine Abfrage des facebook-Profils der Nordwest-Zeitung.

Innerhalb der Redaktion der Nordwest-Zeitung, die nach eigenen Angaben “im Internet angreifen will”, dürfte jetzt mit Hochdruck  die Suche nach den Maulwürfen beginnen.

“Natürlich handelt es sich um eine Minderheit, um bedauerliche Einzelfälle, weshalb man nicht von einem Trend ausgehen dürfe”, stellt Florian Schuster von NeWZblog klar.

Eine Erklärung: das Verhalten eine Monopolisten ist geprägt von wenig Innovation und von Konkurrenzverhinderungs-Strategien. Da macht man sich nicht viele Freunde.

So sei es.

Der Nordwesten hinkt online hinterher

Alte Geschäftsmodelle ins Internet zu übertragen ist so eine Sache.

Informieren Sie sich gleichzeitig aus Zeitung und dem Internet? Dann machen Sie doch mal den Test: Streichen Sie die Artikel in der Zeitung aus, von denen Sie bereits aus dem Netz tags zuvor gelesen, gesehen oder gehört haben. Wie? Bleibt nicht viel harte journalistische, knallhart recherchierte Arbeit übrig?

Dann geht es Ihnen wie Jesse Brown hier:

Nächster Test:

Astrid Grotelüschen ist zurückgetreten. Das erfahren Sie aber nicht, wenn Sie auf die Startseite von nwzonline.de gehen. Sie können sogar danach suchen (Suchbegriff “grotelüschen”), werden aber nichts finden. Nur im Menü “Politik” -> “Nachrichten” finden Sie die Nachricht von gestern, die auch in der Print-Ausgabe zu finden war.

Immerhin vertrat Frau Grotelüschen den Wahlkreis 29 (Delmenhorst, Wesermarsch, Oldenburg-Land) im Bundestag, da wären Informationen “made in Oldenburg” vorteilhaft.

Und so lesen wir munter auf HAZ (10:36 Uhr) und  Welt (12:31 Uhr), während die NWZ-treue “Netzgemeinde” in Oldenburg weiter ahnungslos und eingeschneit im Internet surft.

Nachtrag: Ganz ahnungslos bleibt Netz-Oldenburg nicht. Die nwzonline-Seite macht gerade (14.33 Uhr) mit folgender Welt-Schlagzeile auf:

Handgreiflicher Streit um geparktes Auto in Jever

Dazu fällt mir nur das ein.

Neu in diesem Blog ist der “Fehlgriff des Monats”. Damit wollen wir bemerkenswerten Medienausflüssen zu der Aufmerksamkeit verhelfen, die sie verdienen. Hierzu freuen wir uns immer auf Ihre Vorschläge!

Gewonnen hat im Oktober die NWZ-Redakteurin Sabine Schicke, die die Oldenburger Hartz IV-Demonstration vom 10. Oktober 2010 sprachlich in die Nähe gewaltsamer Aufruhr rückte. Gelungen ist ihr dieses mit folgender Aussage:

Auf dem ganzen Weg blieb es friedlich, auch als man an den Paletten voller Pflastersteine an der Schlosshöfe-Baustelle vorbeizog.

Pflastersteine kennen wir aus Rostock im Jahre 2007 (s. Bild) oder aus weiter vergangenen Tagen, zum Beispiel dem 17. Juni 1953, als der Mob es wagte, für mehr Rechte in der DDR Steine in die Hand zu nehmen.

Aufgrund dieser suggestiven Überzeichnung und gleichzeitigen Herabwürdigung des Volksaufstandes von 1953 war Frau Schicke auszuzeichnen. Der Preis dieses mal: Pflastersteine aus der Apotheke gegen Heiserkeit!

Auf die ‘human touch’-Berichterstattung der NWZ vom 18. Oktober 2010 über den Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) erhielten wir folgenden Kommentar zugesendet:

Kinder sind gewinnbringend, für Politiker auf eine ganz spezielle Weise.
Wer sich mit ihnen ablichten lässt, wirkt sympathisch. Mehr noch, man
zeigt sich von einer menschlichen Seite. Für Politiker, die in ihren
Ämter nicht selten wie kühl kalkulierende Technokraten wirken, sind
solche Bilder ein wichtiger Teil für die PR-Strategie.
Das weiß auch Ministerpräsident David McAllister (CDU), der nicht viele
Gelegenheiten auslässt, öffentlich den liebenden Papi überzeugend
darzustellen. Schöne Bilder entstehen dabei und so einer ist dann auch
für breite Kreise wählbar. Dafür sind unter anderem Wähler empfänglich,
die aus dem Bauch heraus entscheiden und sonst eher unpolitisch sind.

Nun braucht man als Politiker willige Medien, die solche Bilder gepaart
mit einer netten Story transportieren. Wenn das auch noch auf Seite eins
einer Tageszeitung geschieht, kann man sich besonders glücklich
schätzen. Zur Freude des Ministerpräsidenten war die Nordwest Zeitung am
gestrigen Montag mal wieder besonders willig. Auf der Titelseite durfte
ein lächelnder McAllister unter der Überschrift “Zeit für Gefühle”
Tochter Mia, die mit ihrem Papa “ausgiebig kuschelte”, im Arm halten.
Als Leser stellt man sich indes die Frage, wer hier ausgiebiger
kuschelt? Die Tochter mit dem Papa oder die NWZ mit dem CDU-Politiker?

jk

Der Deutsche Presserat rügt laut einer Pressemitteilung vom 17. September die Nordwest-Zeitung, weil sie das Persönlichkeitsrecht der Opfer eines Familiendramas in Hude missachtete. Das Persönlichkeitsrecht gilt gem. Art. 2 Abs. 1 (freie Entfaltung der Persönlichkeit) in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 (Schutz der Menschwürde) des Deutschen Grundgesetzes auch über den Tod hinaus und ist daher zu beachten.

Der nicht-öffentlichen Rüge – in Anbetracht des Opferschutzes die schärfste “Sanktion” gegen die NWZ – widersetzt sich die Nordwest-Zeitung leider bis heute. Die gerügte Abbildung von Straßennamen und Haus der Opfer findet bis heute und darüber hinaus statt, wie ein Blick in das “NWZ-Spezial” offenlegt:

http://www.nwzonline.de/familiendrama-hude *)

bwz. auf NWZ-TV

Es ist unerträglich, wie eine Lokalzeitung aus purer Sensationsgier sich über das postmortale Persönlichkeitsrecht von Betroffenen stellt, um damit die Auflage zu steigern und Gewinne zu maximieren.

Der Presserat selbst erklärt, daß “all diese Details nach Auffassung des Beschwerdeausschusses über das öffentliche Interesse hinaus” gingen und damit gegen den Pressekodex, dem sich die NWZ einmal unterwarf, verstößt.

*) Update 30.09.2010: das “Special” wurde vom Verlag entfernt, das Video ist weiterhin abrufbar

Permanente Kameraüberwachung an Autobahnen verstößt gegen das aus Art. 2 des Grundgesetzes abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Dagegen hatten auch Autofahrer geklagt, sodaß die Polizei jetzt temporäre Überwachungen durchführt, wie uns die NWZ heute berichtet.

Doch mit dem Vokabular bezüglich Persönlichkeitsrechte scheint es noch nicht 100%ig zu funktionieren.

NWZ, 1.7.2010 (S. 11)

Das schöne an Sprache ist ja immer ihr Selbstoffenbahrungscharakter.